Vielen Verbrauchern fällt es schwer, die Risiken nachhaltiger Geldanlagen korrekt einzuschätzen. Diesen Schluss lässt eine repräsentative Umfrage zu, die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in ihrem "Bafin-Journal" veröffentlicht hat.

So waren 19 Prozent der Befragten der Meinung, ihr Geld sei bei einer "Wasserkraft-Anleihe mit festem Zinssatz" sicher. Offensichtlich hat der Hinweis auf den "festen Zinssatz" viele Verbraucher zu dieser Fehlannahme verleitet, vermutet die Bafin. Nur zehn Prozent kannten die korrekte Antwort, dass ein Totalverlust möglich ist. Damit wird das "Risiko dieses Investments mit dem eines Sparbuchs im Bereich Umwelt nahezu gleichgesetzt", so die Behörde. Nachhaltige Investmentfonds werden dagegen deutlich kritischer bewertet (siehe Grafik).
 

Einschätzung des Risikos nachhaltiger Geldanlagen

Grafik: "Bafin-Journal / Juni 2019", Quelle: Repräsentative Online-Umfrage im Auftrag der Bafin


Die Finanzaufsicht befürchtet offensichtlich, dass sich manche Anleger vom grünen Schein manches Angebots blenden lassen. "Die Bafin rät Verbrauchern, sich vor einer Anlageentscheidung genau zu informieren, in was sie ihr Geld investieren und wem sie es anvertrauen", mahnt sie.

60 Prozent der Befragten kennen den Begriff noch nicht
Die Bafin wollte auch wissen, wie bekannt das Nachhaltigkeitskonzept überhaupt ist. Hier besteht Nachholbedarf: 60 Prozent der Befragten gaben an, den Begriff "nachhaltige Geldanlagen" nicht zu kennen. Eine Erhebung des Bankenverbands kam jüngst zu einem ähnlichen Ergebnis (FONDS professionell ONLINE berichtete). Insgesamt ist die Bereitschaft, nachhaltig zu investieren, jedoch groß. "Unter allen Befragten können sich das 62 Prozent grundsätzlich vorstellen", heißt es in der Bafin-Publikation. "Bei den 398 Befragten, die in den nächsten sechs Monaten 1.000 Euro oder mehr anlegen wollen, beträgt dieser Anteil sogar 87 Prozent."

Für manche Skeptiker wird eine nachhaltige Anlage doch interessant, nämlich wenn mögliche staatliche Hilfen ins Spiel kommen. "Aus dem einen Viertel aller Befragten, das sich grundsätzlich nicht vorstellen kann, nachhaltig zu investieren, sind 39 Prozent dazu bereit, sofern es eine staatliche Förderung durch Zulagen oder Steuervorteile gibt", so die Bafin.

Für fast jeden Vierten haben Umwelt- oder Ethikaspekte höchste Priorität
Für mehr als drei Viertel der Befragten stehen bei einer Anlageentscheidung ökonomische Aspekte im Vordergrund. Genannt werden ein geringes Risiko (37 Prozent), die freie Verfügbarkeit des Geldes (23 Prozent) und eine hohe Rendite (17 Prozent). Doch für immerhin knapp ein Viertel der Umfrageteilnehmer haben umweltbezogene (9 Prozent), soziale oder ethische Aspekte (je 7 Prozent) höchste Priorität. 38 Prozent der befragten Verbraucher wären laut Bafin-Erhebung bereit, für nachhaltige Investments eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen. (bm)