Die deutsche Finanzaufsicht Bafin will den Druck auf Versicherer erhöhen, Mängel bei Investitionen in Private Credit zu beheben. Gleichzeitig warnte die Behörde vor einer Anlageklasse, die zunehmend auch Privatanlegern angeboten wird.

Bei fast 40 Versicherern liege der Anteil alternativer Investments über 35 Prozent, sagte Bafin-Präsident Mark Branson am Dienstag (12.5.) in Frankfurt. Einige dieser Unternehmen hätten mehr als 25 Prozent ihrer Anlagen in private Kredite investiert. "Wir beobachten diese Versicherer sehr genau, insbesondere ihre Limitsysteme", sagte Branson vor Journalisten. "Wir haben Verbesserungsbedarf festgestellt und werden sicherstellen, dass die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden."

Sorgen um Risiken im Private-Credit-Markt
Private Credit war in den vergangenen Monaten durch Sorgen über zu hohe KI-Ausgaben, die disruptive Wirkung der Technologie sowie allgemein sinkende Kreditstandards unter Druck geraten.

Deutsche Versicherer hatten bereits in den vergangenen Jahren Verluste bei Krediten im Zuge der weltweiten Krise am Gewerbeimmobilienmarkt erlitten. Im Durchschnitt entfielen bei deutschen Versicherern knapp 20 Prozent der gesamten Anlagen auf alternative Investments, sagte Branson. Davon wiederum entfalle etwa ein Viertel auf private Kredite.

Warnung vor ELTIFs für Privatanleger
Die Interessen von Privatanlegern im Bereich Private Debt müssten beim Vertrieb sogenannter European Long-Term Investment Funds (ELTIFs) berücksichtigt werden, sagte Branson weiter. Privatanleger hätten häufig einen kürzeren Anlagehorizont und könnten "erhebliche" Verluste erleiden. Zudem könnten "die Kosten sehr hoch sein".

Die Bafin dränge europäische Behörden außerdem dazu, "mehr Ordnung in diesen Markt zu bringen", sagte Branson. Als Beispiel nannte er offene Immobilienfonds. Dort zeige sich, dass Risikoindikatoren, auf die sich manche Anleger verlassen, nicht immer alle relevanten Informationen berücksichtigten.

"Nicht immer passend für Privatanleger"
"Der ELTIF-Markt ist noch relativ jung und wächst. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sicherzustellen, dass nicht die falschen Kunden in diese Investments geraten", sagte Branson.

"Produkte, die für vermögende oder professionelle Investoren geeignet sind, passen nicht immer auch zu Privatanlegern." (mb/Bloomberg)