Einige deutsche Kreditinstitute werden die Coronakrise nicht überleben, prognostiziert Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht bei der Bafin. "Nicht alle Institute werden willens und in der Lage sein, das Ruder herumzureißen", sagte er am Dienstag (22. September) auf einer Finanzkonferenz der "Börsen-Zeitung" in Frankfurt, wie das "Handelsblatt" berichtet.

Es gebe Banken, die "eine gefährliche Überheblichkeit" an den Tag legten, statt ihre Geschäftsmodelle an die Marktgegebenheiten anzupassen, erklärte Röseler. "Dabei stand bei einigen dieser Institute die Uhr schon vor der Coronakrise auf fünf vor zwölf", sagte er dem "Handelsblatt" zufolge. 

Nicht zu viele Banken, aber zu viele Banker
Der oberste deutsche Bankenaufseher fordert die Geldhäuser nachdrücklich dazu auf, ihre Kosten herunterzuschrauben. Verglichen mit Kreditinstituten in anderen Ländern arbeiteten deutsche Banken nicht effizient genug. In Schweden beispielsweise komme ein Bankmitarbeiter auf 250 Einwohner, in Deutschland auf 150, legte Röseler dar. "Wir haben nicht unbedingt zu viele Banken, aber zu viele Banker", zitiert ihn das "Handelsblatt". Fusionen könnten zwar zu Kostensenkungen beitragen, ein Allheilmittel seien sie jedoch nicht.

Die deutschen Banken seien bislang zwar relativ gut durch die Krise gekommen, befand Röseler. Allerdings sei dies vor allem den milliardenschweren staatlichen Hilfsprogrammen, der Liquiditätsversorgung durch die Europäische Zentralbank und den regulatorischen Erleichterungen zu verdanken. 

Weitere Kreditberichtigungen zu erwarten
In den kommenden Monaten und Jahren müssten sich die Institute auf steigende Belastungen einstellen. "Änderungen im Insolvenzrecht führen dazu, dass noch nicht alle Unternehmen, die nicht mehr überlebensfähig sind, aus dem Markt ausgeschieden sind", sagte Röseler. Auch hätten die Banken noch nicht alle Kredite wertberichtigt, die gestundet worden sind, aber dauerhaft nicht mehr bedient werden können.

Aus diesem Grund müsse sich die Branche auf eine steigende Zahl von Insolvenzen und Kreditausfällen einstellen. Das werde Ergebnisse und Kapitalpuffer belasten. Röseler fordert daher, dass Banken keine Dividenden für das Geschäftsjahr 2020 auszahlen. Die Bafin könne Gewinnausschüttungen nicht verbieten, ein Verzicht darauf sei aber anzuraten, sagte der Bankenaufseher. 

Nachhaltig positive Ertragsprognose darlegen
Wenn ein Kreditinstitut unbedingt Gewinne ausschütten wolle, müsse es der Bafin darlegen, dass es eine "nachhaltig positive Ertragsprognose" gebe, erklärte Röseler. Zudem müssten die Kapitalpuffer dick genug sein, um eine länger anhaltende Stressphase zu überstehen. "Wir werden diese Fragen bei jedem Institut stellen, welches plant, Dividenden auszuschütten", zitiert das "Handelsblatt" den Bafin-Exekutivdirektor. (am)