Die Deutsche Handelsbank finanziert in Zusammenarbeit mit Cashyou und dem Lebensversicherer Liechtenstein Life Assurance den Vertrieb von Lebens- und Rentenversicherungen. Das Institut biete Versicherungsvermittlern ab sofort eine "systematische Finanzierung des Neugeschäftes von Nettopolicen" an, teilen die Unternehmen mit.

Die Kooperation erlaube es Vermittlern, "sich gegen die Provisionsansprüche neue Finanzierungsspielräume zu erschließen" und so zudem ihre Liquidität zu sichern. Cashyou ist ein Schwesterunternehmen der Liechtenstein Life, das sich auf die Vergütungs- und Honorarabrechnung spezialisiert hat.

"Die volle Vergütung bereits unmittelbar nach Vertragsabschluss"
Im System der Honorarvermittlung schließt der Kunde neben dem Versicherungsvertrag eine separate Vergütungsvereinbarung mit dem Vermittler ab – im Gegensatz zur klassischen Provisionsberatung, bei der der Berater aus dem Produkt vergütet wird. Dafür erhält der Versicherungsnehmer eine provisionsfreie Nettopolice. Der Verbraucher senke damit seine Kosten und erhalte eine höhere Kostentransparenz, heißt es in einer Pressemitteilung der beteiligten Firmen.

Kunden zahlen das Beraterhonorar in bis zu 60 gleichen Monatsraten. "Die Deutsche Handelsbank und Cashyou entwickelten gemeinsam eine Finanzierungslösung für Nettopolicen, bei der die Vermittler bereits unmittelbar nach Vertragsabschluss die volle Vergütung erhalten und sich so neues Wachstum finanzieren können", schreiben die Unternehmen. "Die Refinanzierungsmöglichkeit für Versicherungsvermittler ist eine echte Innovation und wird weiter zum Erfolg der verbraucherfreundlichen Nettopolice beitragen", lässt sich Christoph Böckle in der Mitteilung zitieren. Er ist Vorstandschef von The Prosperity Company, der Konzernmutter von Cashyou und Liechtenstein Life.

Zusammenarbeit nur mit fachlich geeigneten Vermittlern
Unter "echten" Honorarberatern ist das Modell der Honorarvermittlung allerdings umstritten. Sie monieren, dass es sich dabei nicht um eine ergebnisoffene Beratung handele, schließlich erhalte der Vermittler nur dann ein Honorar, wenn es auch zum Abschluss komme. Wird das Honorar vorfinanziert, kann für Vermittler zudem der Fehlanreiz entstehen, sich voll auf einen raschen Verkauf von Policen zu konzentrieren, weil das "schnelle Geld" lockt. Der Verbraucherschutz droht dann, auf der Strecke zu bleiben.

Die Deutsche Handelsbank seien ebenso wie Cashyou und Liechtenstein Life an einer nachhaltigen Geschäftsausrichtung interessiert, erwidert Daniel Kreis, Vorstandschef der Bank, auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE. "Kündigungen vor Fälligkeit sind weder aus der Sicht des Versicherers noch des Versicherungsnehmers noch des Vermittlers erstrebenswert, sondern sie verursachen – im Gegenteil – allen Beteiligten Aufwand und Kosten", so Kreis. Daher arbeite man ausschließlich mit Vermittlern zusammen, die "die rechtlichen und fachlichen Voraussetzungen erfüllen".

"Der Abschlag entspricht herkömmlichen Factoring/Finanzierungskosten"
Auf die Frage, wie hoch in der Regel die Vergütung für die Vermittlung einer Liechtenstein-Life-Nettopolice liegt, gab es keine konkrete Antwort. Nur soviel: Die flexible Cashyou-Lösung ermögliche es dem Vermittler, "aufwandsbezogen zu verrechnen". Die Erfahrung zeige, dass sich die Vergütung "im ähnlichen Rahmen bewegt wie herkömmliche Abschlusserträge für Vermittler".

Ebenfalls offen blieb die Frage, wie hoch der "Abschlag" für Vermittler bei einer Vorfinanzierung ausfällt. Dieser entspreche "herkömmlichen Factoring/Finanzierungskosten", teilte Kreis in seiner Stellungnahme an die Redaktion lediglich mit. (bm)


Eine Übersicht über verschiedene Modelle des Provisions- und Honorar-Factorings finden Sie in der FONDS professionell-Heftausgabe 3/2016 ab Seite 220. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.