Bankvorständin zum Altersvorsorgedepot: "Booster für den Kapitalmarkt"
Die DWP Bank sieht in künstlicher Intelligenz große Effizienzpotenziale, warnt aber zugleich vor neuen Cyberrisiken. Vorständin Kristina Lindenbaum spricht zudem über das Altersvorsorgedepot, die Geschäftsentwicklung und die Rolle von Lemon Markets.
Der Siegeszug von künstlicher Intelligenz (KI) wird womöglich dazu führen, dass manche Stellen nicht nachbesetzt werden müssen. Das hat Kristina Lindenbaum, im Vorstand der Deutsche Wertpapierservice Bank unter anderem für digitale Transformation verantwortlich, in einem Interview mit "Bloomberg" angedeutet. In diesem sprach sie auch über die Geschäftslage, das Altersvorsorgedepot und die Fintech-Tochter Lemon Markets.
KI soll Effizienz steigern
"KI bietet viele Chancen und wird Effizienzgewinne schaffen, auch bei der DWP Bank", sagte Lindenbaum. Das dürfte dem Unternehmen auch beim Umgang mit dem demografischen Wandel helfen, also der Welle an erwarteten Renteneintritten. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir Stellen nachbesetzen oder ob bestimmte Aufgaben künftig auch die KI übernehmen kann."
Ganz ähnlich hatte sich vor ein paar Wochen auch schon Stefanie Münz aus dem Vorstand der LBBW geäußert. Sie gehe davon aus, "dass wir die Stellen nicht komplett nachbesetzen müssen, sondern nur etwa zur Hälfte". Das gelte etwa für Risikoüberwachung oder Operations, wo die LBBW dank KI effizienter arbeiten könne.
Bei der DWP Bank treibt die Abteilung "Digitale Innovation" derzeit die KI-Adoption voran. Dabei geht es nicht nur um technologische Potenziale, sondern auch um regulatorische, kulturelle und organisatorische Anforderungen. Die Abteilung steht dabei in engem Austausch mit anderen Bereichen der Bank, etwa der IT und der Risikokontrolle.
Sorge vor neuen Cyberrisiken
Neben den Potenzialen sieht Lindenbaum KI aber "auch als einen Risikofaktor für die IT-Sicherheit, den es zu managen gilt", erklärte sie. Für die DWP Bank sei Prozessstabilität wichtig, beispielsweise bei der Ausführung von Wertpapiertransaktionen. "Es wäre grob fahrlässig, potenzielle Angriffe durch neue KI-Modelle wie Mythos auf die leichte Schulter zu nehmen."
Laut Entwickler Anthropic ist Mythos so leistungsstark, dass es anspruchsvolle Cyberangriffe ermöglichen könnte. Es sei in der Lage, Schwachstellen in gängigen Betriebssystemen und Webbrowsern zu identifizieren und auszunutzen, wenn es von einem Benutzer dazu angewiesen werde. "Fortgeschrittene KI-Modelle wie Mythos stellen eine reale Bedrohung dar", sagte Lindenbaum. "Wir machen uns viele Gedanken dazu, wie wir uns künftig besser schützen können."
Altersvorsorgedepot als Marktchance
Viele Ressourcen steckt die DWP Bank auch in das Altersvorsorgedepot, also das geplante Anlagedepot mit staatlicher Förderung. "Für alle Banken und Versicherer könnte zum 1. Januar nächsten Jahres ein Moment kommen, in dem der Markt neu verteilt wird", sagte Lindenbaum.
Viele Kunden der DWP Bank planen ihren Worten zufolge eigene Angebote zum Altersvorsorgedepot. Derzeit würden "intensive Gespräche" dazu laufen, was sie von der DWP als Dienstleister brauchen. Die DWP tritt im Endkundengeschäft nicht selbst auf, sondern ist Dienstleister im Hintergrund. Viele Banken in Deutschland lagern Wertpapierprozesse an sie aus.
"Das Altersvorsorgedepot wird ein Booster für Kapitalmarktanlagen in Deutschland werden. Es wird dafür sorgen, dass mehr Menschen in Aktien und andere Wertpapiere investieren werden und mehr Geld in die Kapitalmärkte fließen wird", sagte Lindenbaum.
Rekordgeschäft und Hoffnungsträger Lemon Markets
Auch ohne Altersvorsorgedepot liefen die Geschäfte zuletzt schon gut. Für 2025 meldete die DWP Bank eine Rekordzahl von Wertpapiertransaktionen. Diese Dynamik setzte sich Lindenbaum zufolge auch im laufenden Jahr fort. Die Transaktionen seien im ersten Quartal 2026 noch einmal um mehr als zehn Prozent gestiegen, verglichen mit dem Vorjahresquartal.
"Wegen der geopolitischen Ereignisse, etwa dem Iran-Krieg, wird mehr gehandelt", sagte Lindenbaum. Zugleich ändere sich die Wertpapierkultur in Deutschland. Die Menschen würden sich für Aktien, Anleihen und andere Wertpapiere öffnen.
Weiteren Wachstumsschub erhofft sich Lindenbaum auch vom übernommenen Fintech Lemon Markets. Mit ihm ergänzt der Wertpapierdienstleister seine Angebote um eine Neobrokerage-Lösung. "Lemon Markets ist voll digital, voll in der Public Cloud und kompromisslos standardisiert", sagte Lindenbaum, während die Angebote der DWP Bank stärker individualisiert seien. "Mit Lemon Markets erreichen wir Kunden, die wir als DWP Bank sonst vielleicht nicht erreichen würden. Es gibt so gut wie keine Kannibalisierung." (mb/Bloomberg)















