Aktiven Fondsmanager gelingt es allenfalls auf kurze Sicht, die passive Konkurrenz zu übertreffen. Zu diesem Ergebnis kommt die Fondsratinggesellschaft Morningstar in einer aktuellen Analyse. Demnach schaffen es aktive Lenker nur in einzelnen Feldern, Indexfolger auch langfristig zu schlagen. Für das quartalsweise erscheinende "Fondsbarometer" untersuchten die Morningstar-Analysten die Wertentwicklung der Vehikel in 47 Aktien- und 14 Anleihekategorien.

Demnach schlugen über ein Jahr gesehen insgesamt 38 Prozent der aktiv verwalteten Aktienfonds die passive Konkurrenz. Über zehn Jahre gesehen lag diese "Erfolgsquote" jedoch deutlich niedriger bei nur 15 Prozent. Bei Rentenfonds wiederum offenbart sich sogar ein noch trüberes Ergebnis. Hier liegt die Erfolgsquote der Aktiven über ein Jahr gerechnet nur bei 23, und über zehn Jahre lediglich bei 16 Prozent. Diese Ergebnisse festigen die Sicht, dass zumindest in bestimmten Markphasen wie zuletzt im Corona-Crash aktive Verwalter reüssieren können.

Erfolg nur am Rand
Bei Betrachtung der langfristigen Ergebnisse der einzelnen Aktienkategorien ergibt sich, dass es nur bestimmten aktiven Fonds gelingt, länger zu überleben und zugleich den Durchschnitt der zugehörigen Indexfonds zu übertreffen – und das auch bei eher exotischen Investmentschwerpunkten. "Nach zehn Jahren konnten beispielsweise 73 Prozent der aktiv verwalteten Fonds, die in mittelgroße britische Werte investieren, ihre Indexfonds-Pendants übertreffen", berichtet Morningstar-Experte Ali Masarwah. "Ein Investment in einen FTSE-250-ETF war also für Anleger seit 2010 keine gute Wahl." Relativ gut sehe es auch für aktive Fonds in den Kategorien Aktien Dänemark, Schweizer Nebenwerte, Aktien Österreich und Aktien Norwegen aus. Abgesehen von einigen Ausreißern schlugen sich diese Manager auch über kürzere Zeiträume recht gut.

Aktienfondskategorien mit den höchsten "Erfolgsquoten" nach zehn Jahren

Diese Kategorien zählen jedoch zweifelsohne nicht gerade zu den Kerninvestments der meisten Anleger. So richteten die Morningstar-Analysten umgekehrt den Blick auf die 25 Aktienkategorien, die langfristig am schwächsten abschneiden.

"Die Übersicht ist aus zwei Gründen ernüchternd. Alle 25 Aktien-Kategorien weisen Erfolgsquoten von unter 25 Prozent auf", erläutert Masarwah. "Schlimmer noch: elf Kategorien haben Erfolgsquoten von unter zehn Prozent." Noch problematischer sei, dass hier Kategorien vertreten sind, mit denen Anleger typischerweise große Teile ihrer Aktien-Allokation bestücken. So führen BRIC-Titel sowie US-, europäische und globale Standardwerte die Negativliste an.

Aktienfondskategorien mit den niedrigsten "Erfolgsquoten" nach zehn Jahren

Eklatante Schwächen bei Anleihen
Ebenfalls ernüchternd fällt die langfristige Erfolgsbilanz bei Rentenfonds aus. Von den 14 untersuchten Kategorien schnitten hier Euro-Unternehmensanleihen mit einer Erfolgsquote von 42 Prozent am besten ab. Darauf folgen Kurzläufer und globale Anleihenfonds. "Interessanterweise war die kurzfristige Erfolgsbilanz sehr viel schlechter", merkt Masarwah an. Dies könne daran liegen, dass die Manager bei Euro-Unternehmensanleihen höhere Risiken eingingen und bei Kurzläufern wiederum die Renditen stark gefallen seien.

Trotz der kurzfristigen Erfolge fällt damit die Gesamtergebnis der aktiven Fondslenker mager aus, resümiert Morningstar-Experte Masarwah. "Auch wenn sich aktive Manager in einzelnen Kategorien in den vergangenen zehn Jahren ausgezeichnet haben, fällt ihre Bilanz in den 61 betrachteten Kategorien schwach aus." Die Erfolgsquote aktiver Manager wäre nach 15 Jahren sogar noch schwächer, vermutet Masarwah. Diesen Zeitraum untersuchten die Analysten allerdings nicht, da nur wenige Indexfolger so lange am Markt sind. "Das wird sich über die Jahre ändern, wenn mehr Indexfonds aussagekräftige Historien aufweisen werden", meint Masarwah. (ert)