Beratung im Umbruch: Junge Anleger stellen alles auf den Kopf
Junge Anleger ticken anders: Eine neue Studie zeigt, wie Gen Z und Millennials Beratung, Investments und Kommunikation verändern – und warum Vermögensverwalter ihr Geschäftsmodell neu ausrichten müssen.
Der bevorstehende Generationenwechsel beim Vermögen zwingt die Vermögensverwaltungsbranche zu einem grundlegenden Umdenken. Die neue Studie "Next-Gen Investors: A Guide for Wealth Managers and Financial Advisers" des CFA Institute zeigt: Die Ansprüche von Gen Z und Millennials unterscheiden sich deutlich von jenen älterer Anleger – und stellen Berater vor neue Herausforderungen.
In den kommenden Jahrzehnten werden weltweit Billionenbeträge an jüngere Generationen übertragen. Allein bis 2050 könnten rund 83 Billionen US-Dollar den Besitzer wechseln. Damit rücken junge, digital affine Anlegergruppen ins Zentrum der Branche – mit völlig neuen Erwartungen an Beratung, Kommunikation und Produkte.
Beratung bleibt gefragt – aber anders
Entgegen der oft angenommenen Do-it-yourself-Mentalität zeigt die Studie: Mehr als 90 Prozent der befragten Gen-Z- und Millennial-Investoren nutzen bereits Finanzberatung in irgendeiner Form.
Allerdings verändert sich die Rolle der Berater. Gefragt ist kein klassisches Delegationsmodell mehr, sondern eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, bei der Anleger aktiv eingebunden werden. Robo-Advisory wird dabei nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung gesehen. Viele junge Investoren kombinieren digitale Tools mit persönlicher Beratung.
Werte und Technologie im Fokus
Auffällig ist die starke Bedeutung persönlicher Werte: Über 90 Prozent der jungen Anleger wollen ihre Investments an individuellen Überzeugungen ausrichten, rund 43 Prozent interessieren sich konkret für Impact-Strategien.
Gleichzeitig erwarten sie eine nahtlose digitale Betreuung. Laut Studie kommunizieren rund 70 Prozent mindestens monatlich mit ihrem Berater – häufig über Video, Messaging-Apps oder andere digitale Kanäle.
Neue Anlagepräferenzen
Auch bei den Portfolios zeigen sich klare Unterschiede: Jüngere Anleger investieren deutlich häufiger in Kryptowährungen, ETFs und Immobilien als ältere Generationen.
Zudem wächst das Interesse an alternativen Anlagen wie Private Equity oder Private Credit. Besonders gefragt sind individualisierte Lösungen – etwa maßgeschneiderte Portfolios oder thematische Investments.
Informationsquellen fragmentieren sich
Die Studie zeigt zudem eine starke Fragmentierung der Informationsquellen. Junge Anleger nutzen neben Beratern auch Social Media, Apps und zunehmend KI-Tools. Rund ein Drittel greift bereits auf generative KI für Finanzthemen zurück.
Dennoch bleiben menschliche Berater die wichtigste Vertrauensinstanz – ihre Rolle wandelt sich vom Informationslieferanten hin zum Einordner und Navigator im Informationsdschungel.
Zwischen Selbstvertrauen und Risiko
Charakteristisch für die neue Anlegergeneration ist ein hohes Selbstvertrauen – gleichzeitig aber auch eine erhöhte Anfälligkeit für Verhaltensfehler. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, schon aus Angst, etwas zu verpassen ("FOMO"), investiert zu haben.
Hier liegt laut Studie ein zentraler Mehrwert professioneller Beratung: als Coach, der emotionale Entscheidungen einordnet und langfristige Strategien stärkt.
Konsequenzen für die Branche
Für Vermögensverwalter ergibt sich ein klares Bild: Erfolgreiche Beratung der Zukunft kombiniert Technologie mit persönlicher Expertise, erweitert den Fokus auf ganzheitliche Lebensplanung und bietet stärker individualisierte Lösungen.
Die zentrale Herausforderung bleibt dabei unverändert – Vertrauen aufzubauen. Doch die Kriterien dafür verschieben sich: Leistung, Transparenz und Datensicherheit gewinnen gegenüber klassischen Beziehungselementen an Bedeutung. (mb)















