Deutschland wendet immer mehr Geld für Sozialleistungen auf. Der Entwurf des neuen Sozialberichts der Bundesregierung zeigt: Die sogenannte Sozialleistungsquote liegt mittlerweile bei 33,6 Prozent und damit sogar noch um 2,8 Prozentpunkte höher als im Krisenjahr 2009. "Damit lenkte der Staat zuletzt mehr als ein Drittel seiner gesamten Wirtschaftsleistung oder rund 1,2 Billionen Euro in Sozialleistungen", verdeutlicht Bert Flossbach, Chef und Mitgründer der Investmentgesellschaft Flossbach von Storch (FvS), die Dimensionen. Verantwortlich dafür sind vor allem stark steigende Ausgaben für Rente und Krankenversicherung – eine Folge des demografischen Wandels.

Im Jahr 1965 finanzierten noch 5,5 Beitragszahler einen Rentner. Im Jahr 1992 lag diese Quote bei nur noch 2,7 Beitragszahler je Ruheständler, bis 2005 sank sie auf 2,1. In den Folgejahren blieb das Verhältnis dank starker Wirtschaft und immer mehr berufstätiger Frauen weitgehend konstant. Nun nähert sich das System allerdings einem Kipppunkt, warnt Flossbach: "Zukünftig wird das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern deutlich fallen." In weniger als einem Jahrzehnt dürfte in Deutschland auf zwei Menschen im erwerbsfähigen Alter – die längst nicht immer tatsächlich erwerbsfähig sind – ein Rentner kommen.

Rentenmisere wird die Politik dominieren
Eine einfache Lösung für das Rentendilemma gibt es nicht, sagt Flossbach. Würde man etwa, wie häufig gefordert, auch Selbstständige und Beamte als Pflichteinzahler in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen, wären damit neue Leistungen oder höhere Personalkosten für den Staat verbunden. Letztlich werden wohl die Bundeszuschüsse weiter steigen. Im Jahr 2045 dürfte rund die Hälfte des Haushalts dafür draufgehen, die Renten zu sichern. "Es verwundert nicht, dass fast alle im Wahlkampf befindlichen Parteien dieses Thema scheuen wie der Teufel das Weihwasser", kommentiert Flossbach. "Doch bereits in vier Jahren könnte das Thema Rente sogar dem Klimaschutz den Rang ablaufen, und 2029 dürfte es den Wahlkampf dominieren."

Der zeitliche Handlungsspielraum wird immer enger, "denn der Kipppunkt bei der Rente steht unmittelbar bevor", warnt Flossbach. Seiner Einschätzung nach ist eine generationengerechte Rente ohne eine baldige Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht mehr zu erreichen. "Der Schwerpunkt muss hierbei auf ertragreichen Produktivanlagen wie Aktien liegen, denn Zinspapiere oder Lebensversicherung mit Garantieversprechen sind mangels Ertragsperspektiven keine Lösung", sagt der Anlageprofi. (fp)