Der einstige Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat sich in einem Interview mit der "Börsen Zeitung" erstmals in seiner neuen Rolle als Aufsichtsratschef bei Blackrock Deutschland geäußert. Dabei zeigte er sich besorgt über die möglichen Folgen eines Austritts von Großbritannien aus der Europäischen Union.

Die akute Gefahr eines Zusammenbruchs an den Finanzmärkten wie nach der Pleite der Investment-Bank Lehman Brothers sah er zwar nicht. "Aber es kann durchaus sein, dass wir wieder eine lang anhaltende krisenhafte Situation für den Finanzsektor vor uns haben. Die wird vielleicht nicht so eruptiv verlaufen wie 2008, uns aber möglicherweise dauerhaft in Atem halten - mit ständigen kleineren Korrekturen nach unten", so Merz im Interview mit der "Börsen-Zeitung".

Nicht in Panik verfallen
"Wenn die Nachfrage nach Bundesanleihen steigt, obwohl das Renditeniveau bereits unter der Nulllinie liegt, und wenn wir sehen, dass in Großbritannien im zweiten Halbjahr 2016 ziemlich sicher eine Rezession droht, von der nach und nach die ganze Europäische Union erfasst werden könnte, dann ist das schon eine schwierige Lage", erläuterte Merz weiter. Er wolle aber keine Krise herbeireden. Sein Haus appelliere daher an Anleger: "Geht jetzt nicht panikartig aus allem 'raus und flüchtet nicht in Staatsanleihen!"

Kommt es aber zum Brexit, habe Frankfurt gute Chancen, zur größten Finanzmetropole Europas aufzusteigen, meinte Merz. Frankfurt habe einen großen Standortvorteil durch den Sitz der Europäischen Zentralbank. Für Holdingsitze seien indes Luxemburg und Amsterdam steuerlich interessante Standorte. "Ich denke trotzdem, dass am Ende des Tages Frankfurt der Gewinner sein kann", so Merz im Gespräch mit der "Börsen-Zeitung".

Mangelnder Mut bei der Bankenrettung
Sorge bereite Merz weiterhin die Schwäche der Banken in Europa. Die Amerikaner hätten mit ihrer Zwangskapitalisierung der Banken die Dinge wohl richtig gemacht, "während wir mit unserer zaghaften, freiwilligen Rekapitalisierung zu wenig Mut hatten." Entsprechend hätten jetzt viele europäische Banken Probleme, während die US-Pendants mehrheitlich so stark wie nie seien und das Geld an den Staat zurückbezahlt hätten.

"Ich bin mehr als ein Frühstücksdirektor"
Der frühere Unionspolitiker erläutert in dem Interview auch seine Rolle im Kontrollgremium von Blackrock Deutschland. "Wir haben uns mit der Muttergesellschaft darauf verständigt, dass ich eine Rolle wahrnehme, die wir in der deutschen Corporate Governance so erst langsam kennenlernen, nämlich die Aufgabe eines 'active chairman'", sagt Merz. Er sei kein operativer Übervorsitzender, versuche aber, das Management strategisch und bei der Geschäftsentwicklung aktiv zu unterstützen. Dies sei mehr als ein Frühstücksdirektor.

Weiterhin lehnte Merz ab, dass der weltgrößte Fondsanbieter Blackrock einer schärferen Beobachtung unterliegen sollte. "Wir sind keine Schattenbank, und das sehen auch die Regulierer bislang so. Wir verleihen kein Geld. Wir nehmen kein Geld bei der Zentralbank auf. Wir sind kein Kredithaus. Wir sind ein treuhänderischer Vermögensverwalter - und als solcher voll transparent und reguliert." (ert)