Die Maklerpools Blau Direkt aus Lübeck und Jung, DMS & Cie. (JDC) aus München sprechen über eine mögliche Zusammenarbeit. Eine entsprechende Meldung eines Branchenportals bestätigten die Unternehmen auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE.

"Wir führen mit einigen Marktbegleitern Gespräche über Möglichkeiten der Kooperation. Einer dieser Begleiter ist JDC", teilte Blau-Direkt-Geschäftsführer Oliver Pradetto der Redaktion mit. "Dabei gibt es aus unserer Sicht keine Denkverbote." Möglich sei alles – "von der Bereitstellung von Technik über die Bündelung der Einkaufskraft bis hin zu Funktionsausgliederungen".

Branche steht vor einer Konsolidierung
Die Gespräche der beiden Marktteilnehmer werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen der Maklerpools: Die Vermittlerschaft schrumpft, zum einen aus demografischen Gründen, zum anderen wegen der immer strengeren Regulierung. Zugleich müssen die Pools Millionen in Digitalisierungsprojekte investieren, um für die Makler attraktiv zu bleiben. Seit Jahren ist daher von einer Konsolidierung der Branche die Rede, die allerdings nur langsam Fahrt aufnimmt.

Im April beispielsweise übernahm JDC den kleinen Wettbewerber KOMM aus Stuttgart. Die BCA aus Oberursel und Fondsnet aus Erftstadt arbeiten seit gut vier Jahren bei der Abwicklung des Investmentgeschäfts zusammen, zudem gibt es einige Beispiele für IT-Kooperationen, etwa zwischen den beiden Hamburger Finanzdienstleistern Netfonds und Maxpool. Über Fusionen großer Marktteilnehmer wird zwar immer wieder spekuliert, Vollzugsmeldungen blieben zumindest bislang aber aus.

"Wir sprechen grundsätzlich mit allen Marktteilnehmern"
Bei den Gesprächen zwischen Blau Direkt und JDC gehe es nicht um einen Zusammenschluss, betonen beide Parteien. "Wir sprechen grundsätzlich mit allen Marktteilnehmern über mögliche Kooperationen", sagt JDC-Vorstandschef Sebastian Grabmaier gegenüber FONDS professionell ONLINE.

"Es wäre sehr sinnvoll, wenn unsere Industrie arbeitsteiliger vorgehen würde – es muss nicht jeder Maklerpool alles alleine machen, insbesondere mit Blick auf die technische Abwicklung im Hintergrund", so Grabmaier. Erfahrungsgemäß tue sich die Branche mit einer derartigen Zusammenarbeit jedoch sehr schwer. "Ob sich aus den Gesprächen mit Blau Direkt eine Kooperation ergibt, ist daher völlig offen", betont der JDC-Chef.

"Da tobt sofort die Gerüchteküche"
Pradetto zufolge verlaufen die Gespräche mit JDC "in einer angenehmen Atmosphäre". In den unternehmerischen Zielen gebe es Gemeinsamkeiten, aber auch "gravierende Unterschiede", betont Pradetto. Grundsätzlich sei es für den Markt noch ungewöhnlich, wenn zwei Wettbewerber sprechen. "Da tobt sofort die Gerüchteküche", meint der Blau-Direkt-Chef. "Die Wahrheit ist aber eine andere: Der Markt steht vor dem Markteintritt neuer disruptiver Wettbewerber. Das zwingt alle Marktteilnehmer, ihre bisherigen Glaubensgrundsätze zu überdenken."

Auch unter Konkurrenten gebe es mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes, die es zu nutzen gelte, meint Pradetto. "Als Branche müssen wir das erst lernen, deshalb sind Gespräche langwierig, erfordern Annäherungsprozesse und scheitern überdurchschnittlich oft. Trotzdem müssen wir es immer weiter versuchen." (bm/jb)