Brexit-Umfrage: So würden die Briten heute abstimmen
Zehn Jahre nach dem Brexit hat sich die Stimmung in Großbritannien deutlich verändert. Einer neuen Umfrage zufolge würde eine Mehrheit heute für eine Rückkehr in die Europäische Union stimmen.
Eine neue Umfrage in Großbritannien zeigt, dass ein weiteres Brexit-Referendum das Votum umkehren würde, das vor zehn Jahren zum Austritt des Landes aus der Europäischen Union führte.
52 Prozent der Briten sind der Ansicht, dass Großbritannien wieder der EU beitreten sollte. Das geht aus einer Ipsos-Umfrage unter 1.137 Erwachsenen hervor, die zwischen dem 14. und 20. Mai durchgeführt wurde. Damit hat sich die Stimmung im Vergleich zu Juni 2016 umgekehrt, als ein ähnlich großer Anteil der Wähler den Brexit unterstützte.

Fast jeder Zweite befürwortet neues Referendum
Fast die Hälfte der Briten befürwortet eine Wiederholung des Referendums. Die Meinungen darüber, ob eine solche Abstimmung vor oder nach der nächsten Parlamentswahl stattfinden sollte, sind gleichmäßig verteilt. Auf die Frage, wie sie bei einer hypothetischen Neuauflage abstimmen würden, erklärten nur 33 Prozent, Großbritannien solle außerhalb der EU bleiben. Knapp jeder Zehnte war noch unentschlossen.
Die Zahlen zeigten "eine klare Verschiebung der öffentlichen Stimmung", sagte Keiran Pedley, Politik-Leiter bei Ipsos. "Die Debatte über unsere Beziehung zu Europa ist in den Köpfen der Wähler noch lange nicht abgeschlossen."
Deutliche Unterschiede zwischen den Generationen
Trotz der wachsenden Unterstützung für einen EU-Wiedereintritt bleibt die Meinung entlang von Generationen- und Parteigrenzen gespalten. Jüngere Wähler sprechen sich überwiegend für eine Rücknahme des Brexit aus, während die Hälfte der über 55-Jährigen eine Rückkehr in die EU ablehnt.
Potenzielle Befürworter einer Rückkehr zur EU finden sich vor allem unter Anhängern der Labour-Partei, der Liberaldemokraten und der Grünen. Dagegen würden sieben von zehn Unterstützern der in Umfragen führenden Partei Reform UK von Nigel Farage gegen einen Wiedereintritt in die EU stimmen. Die Partei geht auf die Pro-Brexit-Partei UK Independence Party (UKIP) zurück.

Einwanderung bleibt Streitpunkt
Zehn Jahre nach dem Referendum zählt Einwanderung weiterhin zu den umstrittensten Themen der britischen Politik und bleibt eine wichtige Quelle politischer Spaltung.
Eine separate Ipsos-Umfrage vom April ergab, dass die Briten Europa als Partner mit gemeinsamen Interessen bei Themen wie Verteidigung, Handel und Klimawandel sehen und zunehmend erwarten, dass beide Seiten eng zusammenarbeiten. Bei der Einwanderung gehen die Meinungen jedoch stärker auseinander. Fast 40 Prozent der Briten sind der Ansicht, dass die EU bei der Bekämpfung illegaler Einwanderung gegensätzliche Interessen hat. Nur etwa ein Viertel sieht hier übereinstimmende Interessen.
"Wir sollten uns bewusst sein, dass ein künftiges Referendum in der Praxis anders verlaufen könnte", sagte Pedley. "Wenn die Öffentlichkeit mit den verschiedenen Zielkonflikten in den Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU konfrontiert wird, ergibt sich ein komplexeres Bild." (mb/Bloomberg)













