Der Bund der Versicherten (BdV) hat eine massive Kürzung der Provisionen von Versicherungsvermittlern gefordert, die diese für Lebensversicherungen erhalten. Nach Meinung von BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein und seinem Team sind 1,5 Prozent der Beitragssumme das Äußerste, was Versicherungskunden zugemutet werden dürfe. Im Moment sind zwischen 2,5 Prozent und vier Prozent üblich. Der Vorstoß fußt auf einer selbst angefertigten Modellrechnung zu Provisionshöhen im Verlauf der letzten 20 Jahre. Anlass dafür war die anstehende Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG), in deren Rahmen die Regierung auch einen gesetzlichen Provisionsdeckel diskutiert.

Der BdV hat untersucht, wie hoch die Provisionen für die Vermittlung einer privaten Rente mit einer bestimmten garantierten Rentenhöhe heute und 1998 waren. Die Ergebnisse zeigen: Die Höhe der Provision hat sich in den letzten 20 Jahren etwa vervierfacht – und das inflationsbereinigt. "Noch nie gab es derart hohe Provisionen wie heute, gemessen an der Höhe der garantierten Altersvorsorge", sagt Kleinlein. 

BdV kritisiert Versicherer
Trotz der vom BdV geforderten Begrenzung bei 1,5 Prozent seien die Provisionen immer noch höher als vor 20 Jahren. "Was vor 20 Jahren auskömmlich war, muss auch heute reichen. Deshalb sind 1,5 Prozent die Spitze des Erträglichen", erklärt Kleinlein. "Alles darüber ist unredlich." Entgegen der Position manch anderer Verbraucherschützer sieht der BdV jedoch keine Notwendigkeit, Provisionen per se zu verbieten. "Wir brauchen auch weiterhin Vermittler aus Fleisch und Blut, deswegen kann eine Provision nach Augenmaß gut und richtig sein", so Kleinlein.

Der Grund für die extreme Provisionssteigerung der vergangenen Jahrzehnte liegt nach Ansicht von Kleinlein jedoch nicht primär bei den Vermittlern, sondern bei den Versicherungsunternehmen. "Das Problem ist nicht die Gier der Vermittler, sondern die miese Qualität der Tarife", sagt Kleinlein. Die Tarife seien nicht nur immer teurer, die Produkte seien auch immer schlechter geworden. "Die Vermittler stehen daher in dem Dilemma, nur teure und schlechte Tarife anbieten zu können", fasst Kleinlein das Problem zusammen und skizziert eine Lösung: "Würden die Versicherungsunternehmen endlich bessere, verständlichere und günstigere Tarife entwickeln, würde das auch die Vermittler entlasten." (jb)