Bundesbank-Chef Nagel fordert: "Wir müssen länger arbeiten"
Der Präsident der Bundesbank, Joachim Nagel, fordert ein höheres Rentenalter und warnt vor den Folgen einer alternden Gesellschaft. In einem Podcast mahnt er mutige Reformen an – und erteilt einem Verkauf der deutschen Goldreserven eine klare Absage.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat die Bundesregierung zu mutigen Reformen in der Rentenversicherung aufgerufen. "Wir müssen uns ehrlich machen. Wir sind eine alternde Gesellschaft. Wir müssen länger arbeiten, um uns den Wohlstand zu erhalten, den die Generationen nach dem Krieg aufgebaut haben", sagte Nagel im Podcast von "Table Briefings".
"Es geht um Generationenverantwortung", so Nagel weiter. Man müsse den Menschen zutrauen, zu verstehen, wo die Herausforderungen liegen. Deutschland müsse seine Wettbewerbsfähigkeit sichern – und dafür auch "unangenehme Fragen beantworten". "Wenn uns das nicht gelingt, wird Deutschland und Europa zurückfallen", so der Notenbank-Chef.
Positive Wirtschaftsaussichten
Im Gespräch mit der Informationsplattform äußerte sich Nagel auch optimistisch zur wirtschaftlichen Entwicklung. "Die deutsche Wirtschaft kann jetzt auf einen moderaten Wachstumspfad einschwenken. Wir werden im nächsten Jahr mehr Wachstum sehen, wenn die Zukunftsausgaben richtig gesetzt werden. Dann kann aus dem zarten Pflänzlein mehr werden", erklärte der Bundesbank-Präsident.
Europa dürfe man dabei nicht unterschätzen: Der gemeinsame Markt mit 450 Millionen Menschen, die starken Unternehmen und die gut ausgebildeten Fachkräfte bildeten eine "Wachstumsstory", die auch Investoren überzeugend wahrnähmen.
EZB-Zinsen "angemessen"
Nagel verteidigte zudem die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Entscheidung, die Zinsen unverändert zu lassen, sei "angemessen", meint der Bundesbank-Chef. Ob der Zinssenkungszyklus bereits vorbei sei, ließ er offen: "Wir halten uns alle Optionen offen."
Einem möglichen Verkauf der deutschen Goldreserven, um den Bundeshaushalt zu entlasten, erteilte Nagel im "Table Briefings"-Podcast eine deutliche Absage: "Das Gold bleibt dort, wo es ist und wird nicht verkauft." (mb)















