Von verschiedenen EU-Politikern ist zuweilen zu hören, eine maximale Vereinheitlichung des Binnenmarktes würde die europäische Fondswirtschaft im globalen Wettbewerb stärken. Eine Art "Super-ESMA", die sich darum bemüht, Unterschiede in der Auslegung von EU-Recht in den Mitgliedstaaten zu beseitigen, könnte daher den grenzüberschreitenden Vertrieb erleichtern, heißt es. Dies sei jedoch eine Irrtum, erklärt der Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbandes BVI in einem Kommentar. "Fonds werden nicht im Direktgeschäft verkauft, sondern über Vertriebsstellen. Diese sind von Land zu Land unterschiedlich", so Richter.  

Der Zugang zu den unterschiedlich aufgestellten Vertriebsstellen sei eine deutlich größere Herausforderung als der Umgang mit voneinander abweichenden Auslegungen von EU-Recht in den einzelnen Mitgliedstaaten. "Von den hunderten europäischen Asset Managern sind die meisten in ihrem Heimatmarkt und allenfalls noch ein paar wenigen anderen Mitgliedstaaten aktiv", gibt Richter zu bedenken. "Wenn man für diese Asset Manager – große wie kleine – wirklich etwas tun will, dann muss man sie von der Überregulierung befreien", fordert er. Schließlich stelle eben diese Überregulierung das Hauptproblem für die Unternehmen dar. Sie komme noch vor den zu meisternden Herausforderungen an den Kapitalmärkten und dem rasanten technischen Fortschritt. Dies habe eine Umfrage unter den BVI-Mitgliedern klar gezeigt.

Appell an künftige EU-Politiker
Die Überregulierung binde Ressourcen, die den Asset Managern für Investitionen fehlten, und werde immer mehr zum Standortnachteil. Das muss sich ändern, findet Richter. "Wir appellieren daher an die künftigen EU-Kommissare und Parlamentarier, beim Erlass neuer Regeln neben Verbraucherschutz und Finanzmarktstabilität auch die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzindustrie zu bedenken", erklärt er. Die USA seien damit erfolgreich. Auch der Fondswirtschaft in Europa wäre mit einer ausgewogenen Regulierung weit mehr geholfen als mit Superbehörden. (am)