Bei Union Investment hatte sich Florian Uleer fünf Jahre lang um institutionelle Kunden wie Pensionsfonds und Unternehmen gekümmert, bevor er als Senior Sales Manager zu Schroders wechselte. Dort verantwortete er die Betreuung wichtiger Kunden wie Banken, Vermögensverwalter, Dachfondsmanager, Family Offices, Fondsplattformen und Anlageberater aus Deutschland und Luxemburg. Seit Juli ist er Deutschlandchef des im März fusionierten Asset Managers Columbia Threadneedle. Er folgt auf Werner Kolitsch, der zum Wettbewerber M&G wechselte. Mit FONDS professionell ONLINE sprach Uleer über die Aufstellung seines Teams und seine Pläne für die kommenden Monate.

Herr Uleer, anders als manche andere große ausländische Fondsanbieter in Deutschland meldet Columbia Threadneedle dem Branchenverband BVI keine Zahlen. Verraten Sie uns, in welcher Größenordnung sich das verwaltete Vermögen hierzulande bewegt?

Florian Uleer: Da muss ich Sie enttäuschen, diese Zahl veröffentlichen wir nicht. Nur so viel: Wir zählen ganz klar zu den großen ausländischen Anbietern am deutschen Markt, auch wenn unser Team hier in Frankfurt mit insgesamt zwölf Mitarbeitern nicht zu den größten gehört. Wir arbeiten sehr effizient, darum kommen wir mit dieser Mannschaftsstärke bestens zurecht. Und noch etwas kann ich verraten: Das Gros unserer in Deutschland eingeworbenen Assets liegt in Aktien. Es ist also nicht völlig unbegründet, dass Columbia Threadneedle als erstklassiges Aktienhaus gilt.

Wie ist das Team denn aufgestellt?

Uleer: Sechs Kollegen – mich eingeschlossen – tragen direkte Vertriebsverantwortung. Davon fokussieren sich zwei auf das institutionelle Geschäft und die vier weiteren auf den Wholesale- und Retail-Bereich, also das Geschäft mit Dachfondsmanagern, Vermögensverwaltern, Banken und unabhängigen Finanzberatern. Neben den sechs Vertriebsdirektoren sitzen hier in Frankfurt noch zwei Mitarbeiter im Marketing und vier im Sales-Support. Gerade die Vertriebsunterstützung ist mir sehr wichtig. Die Kollegen sorgen unter anderem dafür, dass Kundenanfragen zeitnah und in höchster Qualität beantwortet werden. Die Aufgaben des Sales-Support reichen vom Erstellen von Attributionsanalysen über das Beantworten komplexerer Fragebögen bis zur Nachbereitung von Veranstaltungen. So wird zum Beispiel sichergestellt, dass ein Finanzberater nach einer Roadshow auch tatsächlich alle zugesagten Informationen bekommt, die er von uns erwarten darf. Bei diesem "Follow-up" sind Zuverlässigkeit und höchste Qualität gefragt. Wer diesen Punkt vernachlässigt, kann viel mehr kaputtmachen, als beim Erstkontakt aufgebaut wurde.

Sie sind nun seit Anfang Juli am Start. Wo hat das Team Stärken, wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Uleer: Im Wholesale-Segment sind wir heute schon sehr stark. Egal ob Dachfondsmanager oder Vermögensverwalter: In dieser Branche kennt uns jeder. Viele Mitbewerber haben damit zu kämpfen, dass Columbia Threadneedle bei europäischen Aktien oftmals gesetzt ist – ganz einfach weil Fonds wie Dave Duddings Threadneedle European Select kaum beizukommen ist. Natürlich freue ich mich, diese Stärke heute ausspielen zu können. Ich habe allerdings festgestellt, dass wir auch bei europäischen Unternehmens- und Hochzinsanleihen hervorragende Fonds bieten, was vielen noch nicht bewusst ist. Das gleiche gilt für Absolute-Return-Fonds. Ein Beispiel ist der Threadneedle American Absolute Alpha, ein marktneutraler Long/Short-US-Aktienfonds. Diese Long/Short-Expertise kommt uns zudem auch bei zwei 130/30-Fonds zugute, dem Threadneedle American Extended Alpha und dem Threadneedle Global Extended Alpha. Deren Wertentwicklung seit Jahresbeginn ist so gut, dass es geradezu fahrlässig wäre, sie nicht ins Schaufenster zu stellen.

Wollen Sie es dabei belassen, zusätzliche Fonds in den Fokus zu stellen, oder stehen weitere Veränderungen an?

Uleer: Im Wholesale-Geschäft haben wir schon heute eine starke Stellung. Den Bankenvertrieb wollen wir jedoch weiter ausbauen. Seit dem Zusammenschluss mit Columbia sind wir ein wirklich global tätiger Fondsanbieter, der mit hoher Kompetenz in den Anlageklassen Aktien, Unternehmens- und Hochzinsanleihen sowie im Absolute-Return-Segment punkten kann. Damit sind wir auch der ideale Partner für die Banken. Wir wollen es schaffen, den Banken in Deutschland diese Produktpalette deutlich besser zugänglich zu machen als bisher.

Die Bankkunden stehen allerdings schon seit Jahren auf Multi-Asset-Fonds – wie andere Privatanleger auch. Ihre Fonds in diesem Segment sind recht jung und noch ziemlich klein. Es wird schwierig, damit gegen etablierte Multi-Asset-Häuser anzukommen.

Uleer: Columbia Threadneedle verwaltet mehr als 500 Milliarden US-Dollar, etwa ein Drittel davon liegt in Multi-Asset-Portfolios. Daher dürfen wir durchaus für uns beanspruchen, auch in diesem Segment eine sehr gute Expertise zu haben. Allerdings hilft mir ein Fonds, der seit Jahren in den USA erfolgreich verwaltet wird, in Deutschland nicht direkt weiter. Hier brauchen wir Ucits-Fonds, und die entsprechenden Multi-Asset-Portfolios sind in der Tat noch recht jung. Bevor wir diese Fonds aktiv vermarkten, wollen wir einen robusten Track Record aufbauen, und das benötigt seine Zeit. Neben Multi-Asset-Strategien bleiben Aktien eine wichtige Anlageklasse. Die Zahlen zum Nettomittelaufkommen zeigen, dass Privatanleger nicht nur Multi-Asset-Produkte kaufen, sondern gerne auch Aktienfonds, was ich übrigens sehr begrüße. Wir haben über Jahre hinweg bewiesen, dass wir diese Anlageklasse hervorragend beherrschen. Daher setzen wir auf diese Kompetenz auch im Bankenvertrieb. Dazu kommt die erwähnte Absolute-Return-Expertise. Die Bankkunden wollen ja nicht explizit einen Multi-Asset-Fonds kaufen, sondern sie möchten einen absoluten Ertrag. Den können wir bieten.

Mit Ihrem kleinen Team wird es allerdings schwierig, die Banken flächendeckend zu betreuen. Ist geplant, die Mannschaft aufzustocken?

Uleer: Um den Bankenkanal dauerhaft auf hohem Niveau bedienen zu können, ist es hilfreich, in der Fläche vertreten zu sein. Das stellen wir derzeit noch nicht nachhaltig dar. Wenn mein Plan aufgeht, dann werden wir unser Team ausbauen. Das ist allerdings eher perspektivisch gedacht und nicht als kurzfristige Ankündigung zu verstehen.

Sie hatten vorhin erwähnt, dass Threadneedle seit dem Zusammenschluss mit Columbia nun ein wirklich globaler Asset Manager ist. Was hat sich durch den Merger verändert?

Uleer: In der täglichen Arbeit wenig, denn die Analysten und Portfoliomanager von Columbia und Threadneedle arbeiten schon seit Jahren sehr eng zusammen. Zum Hintergrund: Beide Unternehmen gehören zu Ameriprise Financial, einem im S&P 500 notierten US-Finanzdienstleister. Die Asset-Management-Aktivitäten in den USA liefen bislang unter der Marke Columbia, die in Europa unter Threadneedle. Es gab aber schon früher Threadneedle-Fonds, in denen Columbia-Knowhow steckte. Ein anderes Beispiel: Ich habe einen meiner ersten Arbeitstage mit unserem Corporate-Credit-Team verbracht. Als ich erlebt habe, wie die Kollegen aus London, den USA und Asien via Telefon- und Videozuschaltung völlig gleichberechtigt diskutiert haben, wurde mir klar, dass diese Zusammenarbeit schon seit Jahren gelebt wird und nicht erst seit dem Markenzusammenschluss im März. Für den Anleger ist auch wichtig zu wissen, dass sich an den seit Jahren erfolgreichen Investmentprozessen nichts geändert hat.

Warum war es dann überhaupt nötig, zwei in ihrer Region gut etablierte Marken durch eine neue zu ersetzen?

Uleer: Die Namensbestandteile bleiben ja erhalten. Ein Vermögensverwalter, der Threadneedle kannte, kann auch mit der Marke Columbia Threadneedle etwas anfangen. Und es ergibt durchaus Sinn, als globales Unternehmen weltweit einheitlich aufzutreten, schon wegen der zunehmenden Globalisierung der Kapitalmärkte. Mein Arbeitsvertrag war übrigens der erste bei Columbia Threadneedle weltweit, der unter der neuen Firmierung lief. Vielleicht bin ich schon deshalb von der neuen Aufstellung überzeugt. Aber auch von meinen Kollegen in London habe ich bisher nur Positives über den Zusammenschluss gehört.

Danke für das Gespräch. (bm)