Bei der Commerzbank ist die weitere Senkung der Filialzahl um mehr als ein Zehntel auf 400 von zuletzt 450 im Gespräch, berichtet "Bloomberg" unter Berufung auf mit den Überlegungen vertraute Personen. Diese Kürzung sei das diskutierte Hauptszenario im Vorfeld der am 28. September anstehenden jährlichen Strategieklausur des gelben Riesen, heißt es. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen worden. Die Bank hatte ihr bisheriges Ziel von 450 Filialen bereits zur Jahresmitte erreicht. Noch Ende 2020 verfügte das Filialnetz über 800 Standorte.

Die Commerzbank versucht derzeit, teilweise gegenläufige Tendenzen auszutarieren. Zum einen wächst der Kostendruck durch explodierende Energiekosten und steigende Löhne. Überdies werden bei dem Treffen auch neue Wachstumspläne diskutiert, die einige Investitionen erforderlich machen könnten. Andererseits profitiert das Geldhaus von steigenden Zinserträgen und hat die Risikokosten trotz Krieg und Energiekrise einstweilen im Griff. Das Institut teilte auf Anfrage mit, es habe das Ziel von 450 Filialen "früher als geplant erreicht". Nun liege der Fokus auf "dem Auf- und Ausbau der digitalen Zugangswege", so eine Sprecherin.

Commerzbank-Chef Manfred Knof hatte Anfang vergangenen Jahres seine Strategie vorgestellt, die überwiegend auf tiefgreifenden Kostensenkungen basierte. Dank steigender Erträge hat die Bank bereits einige Sparpläne aufgeweicht. So sollen nur etwa 7.100 Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen statt wie ursprünglich geplant 7.500. Auch im Softwarebereich stand zuletzt eher Wachstum als Einsparung im Fokus. Die stärkeren Filialkürzungen zeigen jedoch, dass Kostensenkungen bei der Commerzbank weiter ein Thema sind. (mb/Bloomberg)