Die Consorsbank beendet ihre Angebote "Vermögensberatung" und "Vermögensberatung extra". Entsprechende Informationen des Branchendienstes "Finanz-Szene.de" bestätigte die Bank auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE. Das Institut wolle sich auf die Zielgruppe der Selbstentscheider konzentrieren, so ein Sprecher. Bei Kunden mit kleineren Vermögen habe sich außerdem die Frage nach der Profitabilität des Geschäfts gestellt.

"Die Beratungsverträge mit den Kunden werden spätestens zum 31.12.2020 gekündigt", erläutert der Sprecher. "Bei einem Vermögen von über 250.000 Euro haben sie die Möglichkeit, ins Private Banking zu wechseln." Zum Hintergrund: Die Sparte "BNP Paribas Wealth Management Private Banking" bildet zusammen mit Consorsbank und DAB BNP Paribas eine Geschäftseinheit innerhalb der Bankengruppe. "Die anderen Kunden wird die Consorsbank dabei unterstützen, künftig Investitionsentscheidungen selbstbestimmt vorzunehmen", so der Sprecher. Eine Möglichkeit seien Musterportfolios und weitere Tools.

Immerhin rund 18.000 Kunden nutzten das Angebot
Die Consorsbank hatte bereits seit 2009 sowohl gegen Provision als auch gegen Honorar beraten. Dabei richtete sich die auf klassischer Provisionsbasis arbeitende "Vermögensberatung" hauptsächlich an Anleger, die für einzelne Investmententscheidungen einen Sparringspartner suchen. Bei der "Vermögensberatung extra" wurde ein jährliches Beratungsentgelt von rund 0,7 bis 1,0 Prozent nach dem durchschnittlichen Depotvolumen des Kunden berechnet, Provisionen fielen nicht an (siehe auch den Kommentar von FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch: "Honorarberatung: An der Praxis vorbeireguliert"). Die beiden Varianten der Vermögensberatung zählten insgesamt rund 18.000 Kunden, was gut einem Prozent aller Consors-Kunden entspricht.

Zuletzt arbeiteten nach Informationen von FONDS professionell ONLINE rund 50 Consors-Mitarbeiter in der Wertpapierberatung. "Ein Teil der Mitarbeitenden wird ins Private Banking wechseln, weitere werden andere Aufgaben innerhalb der Consorsbank übernehmen. Einige werden die Bank verlassen", so der Sprecher.

Comdirect beendete den Ausflug in die Wertpapierberatung…
Mit der Comdirect hatte bereits eine andere Direktbank versucht, ihre Kunden zu Wertpapieren zu beraten. Die Commerzbank-Tochter aus Quickborn startete die sogenannte "Anlageberatung plus" im Jahr 2010. Bei dem provisionsfreien Beratungsangebot, das ab einer Anlagesumme von 25.000 Euro verfügbar war, beliefen sich die in Rechnung gestellten Kosten auf monatlich 0,05 Prozent des durchschnittlichen Depotvolumens, mindestens aber auf 24,90 Euro.

Die Beratung wurde Ende 2017 jedoch eingestellt. Gründe für das Aus nennt die Bank nicht, eine Firmensprecherin teilte der Redaktion im April dieses Jahres auf Anfrage mit, es habe sich um einen "Testlauf" gehandelt. Besonders erfolgreich scheint das Projekt nicht gewesen zu sein: Fünf Jahre nach dem Start betreute die Comdirect lediglich 3.000 Kunden.

… während die ING am Einstieg arbeitet
Genau entgegengesetzt agiert die ING: Die niederländische Bank hatte im Februar angekündigt, für ihre Kunden in Deutschland eine Anlageberatung aufzubauen. "Kunden sollen Zugang zu einer digitalen Beratung bekommen, die zu einem späteren Zeitpunkt durch ein Beraterteam verstärkt werden soll", sagte ING-Privatkundenvorstand Daniel Llano Manibardo im April im Interview mit FONDS professionell ONLINE. "Wir wollen unseren Sparkunden dabei helfen, Anleger zu werden." (bm/mh)


Einen ausführlichen Bericht über die Anlageberatung der Direktbanken lesen Sie in FONDS professionell 2/2020 ab Seite 372. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin aufrufen.