Nach der Finanzkrise hatte die Großbank Credit Suisse das Engagement im Fondsbereich gedrosselt. Nun entdecken die Züricher das Asset Management wieder. Der Bereich wurde umgebaut. Seit September leitet Michel Degen das Fondsgeschäft in der Region Europa, Nahost und Afrika.


Herr Degen, zuletzt war wenig von Credit Suisse Asset Management zu hören, abgesehen vom Übergang des Immobilienfonds CS Euroreal auf die Verwahrstelle. Wieso war es so still?

Michel Degen: Die Credit Suisse hat ihr Asset Management neu gegliedert und regionaler ausgerichtet. In den Regionen Europa, Nahost und Afrika haben wir Deutschland zum strategischen Kernmarkt auserkoren.

Mit welchen Strategien wollen Sie nach dem Euroreal-Drama hierzulande Kunden gewinnen?

Degen: Immobilien sind ein Kernfaktor. Diesen Bereich werden wir ausbauen. Wir prüfen derzeit, ob wir einen neuen offenen Immobilienfonds auflegen. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Besonders gefragt in Deutschland sind darüber hinaus klassische Anleihelösungen, aber auch alternative Ansätze im Rentenbereich wie Absolute Return, asiatische und kurzlaufende Unternehmensanleihen sowie das ganze Feld Multi-Asset. Bei Aktien ist das Thema Robotics gefragt.

Deutschland soll zwar ein Kernabsatzmarkt werden, aber wie viele Investmentprodukte steuern Sie dann noch von hier aus?

Degen: Wir bauen um – nicht ab. Als Bank sind wir gefordert, die Wirtschaftlichkeit unserer Aktivitäten zu prüfen. Genau das tun wir bei der Produktionsplattform in Deutschland. Dort, wo wir Synergien aus der Gruppe heben und damit effizienter und wirtschaftlicher werden können, werden wir auf Funktionen der Gruppe zurückgreifen. Denn unser Ziel ist es nicht nur zu wachsen, sondern profitabel zu sein. Die Nutzung von Plattformen der Gruppe ermöglicht es uns andererseits, in den Vertrieb zu investieren. Das Management für Immobilien wird in Deutschland aber weiterhin von zentraler Bedeutung sein.

Was bedeutet das für den deutschen Standort?

Degen: Wir wollen den Vertrieb ausbauen. Dazu haben wir bereits das Team im institutionellen Bereich aufgestockt. Für den Wholesale- und Retailbereich sollen ab 2018 neue Kollegen folgen. Insgesamt haben wir in Deutschland eine solide zweistellige Mitarbeiterzahl, welche wir mittelfristig ausbauen wollen.

Wo wollen Sie stärker wachsen, bei institutionellen Kunden oder im Retailsegment?

Degen: Unsere Ambition ist es nicht, Wachstum in einem Bereich auf Kosten des anderen zu erzielen. Wir gehen Schritt für Schritt vor. In Deutschland haben wir zuerst die institutionelle Sparte ausgebaut, dann folgt der Wholesale- und Retailbereich. Auf ihn entfallen mehr als 30 Prozent des verwalteten Vermögens.

Ist es angesichts der immer schärferen Konkurrenz durch börsengehandelte Indexfonds (ETFs) überhaupt möglich, im aktiven Management zu wachsen?

Degen: Gewiss, der Druck auf die Gebühren wächst. Viele Häuser verfolgen gar kein echtes aktives Management. Ihnen hat bislang zwar die Marktentwicklung geholfen, doch das wird künftig nicht mehr der Fall sein. Preismodelle mit hohen fixen Gebühren sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Sie werden durch Modelle mit variabler Vergütung ersetzt. Zudem werden Anleger bestimmte Kernmärkte weitgehend mit passiven Instrumenten abdecken. Aktive Manager müssen sich daher genau überlegen, wo sie einen Mehrwert erbringen können. Das ist bei alternativen Investments wie Infrastruktur oder Immobilien der Fall. Hier ist also durchaus Wachstum möglich. Und die Digitalisierung schafft Transparenz darüber, wer seinen Kunden tatsächlich einen Mehrwert liefert.

Wie stellen Sie sich auf den Wandel ein?

Degen: Die Digitalisierung darf man nicht isoliert, sondern muss sie ganzheitlich betrachten. Eine neue Internetpräsenz aufzubauen reicht nicht aus. Es geht um die Frage: Wie muss ich das Unternehmen von der Produktentwicklung und dem Management bis hin zum Vertrieb digital ausrichten? Daher werden wir im Asset Management Funktionen wie Handelssysteme, Abwicklung, Buchhaltung sowie Risikomanagement und die gesamte Datenverwaltung auf eine neue IT-Infrastruktur umstellen. Denn den digitalen Wandel werden wir nur meistern können, wenn wir auch den kompletten Unterbau darauf ausgerichtet haben.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)