Der Begriff "Liberation Day" ist das prägende Börsen-Unwort des Jahres 2025. Zu diesem Ergebnis kamen sowohl eine Experten-Umfrage unter Mitarbeitenden der Börsen, Market Maker und Gremien als auch ein öffentliches Online-Voting, wie die Börse Düsseldorf mitteilte. Es ist bereits das 25. Mal, dass am Düsseldorfer Handelsplatz ein offizielles Börsen-Unwort für das abgelaufene Jahr gekürt wurde.

Auf den weiteren Plätzen folgten die Begriffe "Big Beautiful Bill" und "Friedensangst". Die Bezeichnungen "Fiskal-Bazooka" und "Demokratisierung der Geldanlage" landeten hingegen nur auf den hinteren Rängen.

Trumps Zollankündigung als Auslöser
US-Präsident Donald Trump hatte den "Liberation Day" am 2. April 2025 ausgerufen, als er neue Zölle auf in die USA importierte Waren aus rund 180 Ländern und Territorien ankündigte. Während der Begriff eine Befreiung der US-Wirtschaft suggerierte, handelte es sich laut Börse Düsseldorf um die aggressivste Zollpolitik seit Jahrzehnten.

An den internationalen Börsen führten die Ankündigungen zu einem deutlichen Kursrutsch, steigender Volatilität und Belastungen vor allem für Branchen mit globalen Lieferketten. Für private wie institutionelle Anleger bedeutete der Tag daher keine Befreiung, sondern den Beginn erhöhter Marktunsicherheit. Bereits 2018 war Trump mit dem Schlagwort "America First" Namensgeber eines Börsen-Unworts.

Börse: Wendepunkt für den Welthandel
"Alle Äußerungen von US-Präsident Donald Trump – egal ob in Interviews, offiziellen Statements oder auf Social Media – werden von der Börse sehr aufmerksam verfolgt und können oftmals Auslöser für steigende oder fallende Kurse sein", sagte Rolf Deml, Geschäftsführer der Börse Düsseldorf.

"Auch wenn die angekündigten Zölle durch intensive Nachverhandlungen und bilaterale Abkommen inzwischen vielfach gesenkt wurden, markiert der 'Liberation Day' einen Wendepunkt im globalen Welthandel und hat die Beziehungen der USA zu Deutschland und Europa nachhaltig belastet", so Deml weiter.

Weitere Unwörter spiegeln Marktstimmungen wider
Das zweitplatzierte Börsen-Unwort "Big Beautiful Bill" verweist auf Trumps Wirtschafts- und Steuerpolitik im vergangenen Jahr. Die "Friedensangst" wiederum beschrieb die Sorge mancher Anleger in stark gestiegenen Rüstungsaktien, wenn sich in militärischen Konfliktherden eine Entschärfung der Lage abzeichnete.

Als "Fiskal-Bazooka" wurde das milliardenschwere Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung bezeichnet. Der Begriff "Demokratisierung der Geldanlage" stand für den erleichterten Zugang von Privatanlegern zur bislang vor allem institutionellen Assetklasse Private Equity.

25 Jahre Börsen-Unwort in Düsseldorf
Seit 25 Jahren ermittelt das Team der Börse Düsseldorf ein Börsen-Unwort im jährlichen Rückblick. Die Wahl orientiert sich an der sprachkritischen Aktion des Germanisten Horst Dieter Schlosser, die 1991 ins Leben gerufen wurde. Das erste Düsseldorfer Börsen-Unwort war "Gewinnwarnung" im Jahr 2001. (mb)