Allzu oft sind sie nicht anzutreffen – junge Leute mit Interesse an Finanzen und der Traute, sich beruflich auf eigene Beine zu stellen. Immer wieder klagen gestandene Vermittler und Finanzvertriebe darüber, dass sie keinen Nachwuchs finden. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass freien Versicherungs- und Finanzvermittlern zuweilen noch der Ruf der windigen Produktverkäufer vorauseilt. Zudem birgt die Selbstständigkeit ein nicht zu unterschätzendes unternehmerisches Risiko. Trotzdem wagen immer wieder junge Frauen und Männer den Schritt.

So zum Beispiel Carina Würtemberger, die seit März dieses Jahres als freie Beraterin für den Finanzvertrieb Swiss Life Select in Heidelberg tätig ist. Es war ihr vielleicht nicht gerade an der Wiege gesungen, dass sie später einmal Finanzberaterin werden würde. Aber einen Einfluss auf ihre Entscheidung für diesen Beruf könnte der Job ihrer Mutter schon gehabt haben, glaubt die heute 34-Jährige. "Meine Mutter war Bankangestellte, vielleicht hat mich das Finanzwesen deshalb schon immer fasziniert", sagt Würtemberger.

Job an den Nagel gehängt
Zumindest beginnt sie nach dem Abitur 2007 zielstrebig eine Ausbildung zur Finanzassistentin bei einer Heidelberger Sparkasse, schlägt danach die berufliche Laufbahn als Privatkundenberaterin ein und absolviert ein Studium zur Bankfachwirtin. Es folgen zehn Jahre als Anlageberaterin, doch mit der Zeit kommen ihr Zweifel. Das Geschäftsmodell von Banken erscheint ihr einfach nicht mehr zeitgemäß. So beschließt Würtemberger, die Festanstellung an den Nagel zu hängen und sich selbstständig zu machen. 

"Jetzt kann ich Kunden ganzheitlich betreuen und bin dabei nicht von einzelnen Produktgebern abhängig", sagt Würtemberger. "Mein Steckenpferd sind Investments und Geldanlagen." Besonders viel Spaß macht es ihr, Frauen dabei zu helfen, finanziell unabhängig zu werden. Dafür baut sie derzeit ein eigenes Team von Spezialistinnen auf.

Persönlicher Erfolg
Carina Würtemberger ist glücklich in ihrem Job. "Ich kann meine Kundinnen und Kunden aktiv dabei unterstützen, ihre Wünsche und Ziele zu erreichen", sagt sie. "Wenn ich durch meine Beratung jemandem helfen kann, mehr finanzielle Selbstbestimmung zu erlangen, sich abzusichern oder sich Träume wie ein Eigenheim zu erfüllen, ist das auch ein persönlicher Erfolg für mich", erklärt die Beraterin.

Konnte sie bei der Sparkasse solche Erfolge nicht erzielen? "Schon, aber das Geschäftsmodell von Geldinstituten ist veraltet", sagt Würtemberger. Eine flexible Zeiteinteilung nach individuellen Bedürfnissen sei nicht möglich, auch im Bereich der Digitalisierung gebe es große Defizite. Um wirklich auf die individuellen Wünsche ihrer Klientel einzugehen, benötige sie außerdem eine breite Produktpalette. "Diese hatte ich vorher nicht, jetzt kann ich frei wählen", erklärt Würtemberger.

Kein Problem mit dem Image
Das Image ihrer Branche schreckt sie nicht. "Es spiegelt ja vor allem die negativen Beispiele der Vergangenheit wider", sagt sie. "Diejenigen, die ihre Kundschaft kontinuierlich gut und umfassend beraten, werden sich in Zukunft von diesem Klischee abheben", ist Würtemberger überzeugt. Ihr "Herzensthema", die Finanzberatung von Frauen, will sie mit ihrem Team vorantreiben. Auch als Führungskraft möchte sie gezielt Frauen helfen, Unternehmerinnen zu werden. "Ich hoffe, dass ich dabei eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf umsetzen kann, als es in den meisten Banken möglich ist", sagt Würtemberger. (am)


Weitere Erfahrungsberichte von jungen Finanz-Profis, die sich selbstständig gemacht haben, finden Sie in der aktuellen Ausgabe von FONDS professionell ab Seite 314. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.