Die deutsch-französische Fondsgesellschaft Oddo BHF will das Geschäft mit Banken und Dachfonds ausbauen. Dies sagt Selina Piening, die seit März den Wholesale-Vertrieb in Deutschland und Österreich des Hauses leitet, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. Bei diesen beiden Kundengruppen eröffne sich ihrer Einschätzung nach das größte Potenzial. "Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass wir hier noch nicht so eine große Durchdringung erreicht haben", so Piening.

Oddo BHF Asset Management ist aus der Übernahme der BHF-Bank samt der Fondstochter Frankfurt Trust durch die französische Privatbank Oddo entstanden. Die Franzosen hatten die Asset-Management-Einheiten unter einem einheitlichen Dach verschmolzen. Zuvor hatte Oddo bereits die auf institutionelle Anleger spezialisierte Düsseldorfer Gesellschaft Meriten übernommen.

Breite Basis bei Beratern
"Unser Geschäft ruht auf drei Säulen", erläutert Piening die Aufstellung im Retail-Markt. Die erste Säule bilden die freien Finanzanlagenvermittler. Zu der zweiten zählen die Banken, von den Großbanken bis hin zu regionalen Instituten und Privatbanken. Die dritte Säule bilden diskretionäre Vermögensverwalter und Dachfonds. "In der ersten Säule ist unsere Präsenz bereits am stärksten. Dies entspringt der Historie."

So habe die Vorläufergesellschaft Frankfurt Trust im Wholesale-Geschäft eine breite Basis. Mit den Mischfonds der Polaris-Familie biete das Haus hervorragende Lösungen für diese Zielgruppe. "Hier sind wir als Produktpartner gesetzt. Für uns gilt es daher, diese Stärke aufrechtzuerhalten und unsere Position auszubauen", führt Piening aus.

Da geht noch was
Für weiteres Wachstum setzt die Länder-Vertriebsleiterin, die zuvor fast acht Jahre bei Edmond de Rothschild Asset Management arbeitete, auf die Banken. "Mit Sparkassen pflegen wir bereits gute Partnerschaften. Dies möchten wir bei weiteren Retail- und Privatbanken aufbauen", sagt Piening. Auch bei Dachfonds will das Haus punkten.

"Wir stehen beim Vertrieb noch nicht da, wo wir sein könnten", räumt Piening ein. "Doch grundsätzlich sind wir sehr gut aufgestellt." Über alle Anlageklassen hinweg würden zahlreiche Produkte einen langen Track Record mitbringen und mit einer guten Performance aufwarten. "Mit dieser Aufstellung können wir im Vertrieb noch deutlich mehr erreichen", ist Piening überzeugt.

Künstliche Intelligenz und gutes Gewissen
Einen weiteren Schub erhofft sich das Haus von Themenfonds. "So lancierten wir einen Fonds, der den Fokus auf das Thema künstliche Intelligenz legt", erläutert die Vertriebsleiterin. "Der Clou daran: Auch die Auswahl der Unternehmen erfolgt per künstlicher Intelligenz." Dieser Anlageprozess würde sich zudem auf andere Schlagworte übertragen lassen. Hausintern werde derzeit diskutiert, welche weiteren Themen folgen sollen.

Reges Interesse der Kunden verzeichnet das Haus zudem an nachhaltigen Geldanlagen. "Wir führten jüngst auch harte Ausschlusskriterien in unsere Fondspalette ein", so Piening. Investments in bestimmte, umstrittene Geschäftsmodelle sind damit ausgeschlossen.

Neuer Junior-Posten
Personell sieht Piening ihr Vertriebsteam grundsätzlich gut aufgestellt. Vier Mitarbeiter decken, nach Regionen aufgeteilt, Deutschland und Österreich ab. In der Alpenrepublik will das Haus seine Aktivitäten besonders verstärken. Daneben plant die Gesellschaft, einen Junior-Mitarbeiter anzuheuern. "Dies erfolgt im Rahmen eines Graduate-Programms, einer Initiative der gesamten Oddo-Gruppe, bei der wir 100 Hochschul-Absolventen einstellen", erläutert Piening. "Mit diesem antizyklischen Schritt wollen wir jungen Talenten eine Perspektive eröffnen. Unsere Branche ringt generell mit einem Nachwuchsproblem. Hier müssen wir uns engagieren." (ert)