Das Beratungshaus Smart Asset Management Service (SAM) untersucht regelmäßig die Fondspolicentarife der dritten Schicht von Versicherungsgesellschaften, die mit freien Beratern zusammenarbeiten. In dem aktuellen "Fondspolicenreport ETF/Passiv" hat SAM, erneut in Kooperation mit dem Institut für Vermögensaufbau (IVA), erstmals eine Analyse zum ETF-Angebot in fondsgebundenen Rentenversicherungen vorgelegt. Das Ergebnis zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Anbietern – und immer noch große Lücken in den ETF-Paletten der Versicherer. 

"In den vergangenen 18 Monaten hat sich das quantitative ETF-Angebot in Fondspolicen zwar erkennbar erweitert. Dennoch bestehen in der Breite große Lücken in den angebotenen Anlageklassen – insbesondere auf der Anleihenseite, wo weniger als 20 Prozent der auswählbaren Fonds ETFs sind", lässt sich SAM-Geschäftsführer Thorsten Dorn in einer Pressemitteilung zitieren. "Gerade für ausgewogen oder defensiv ausgerichtete Anlegerprofile fehlen damit zentrale Bausteine für eine ausgewogene Portfoliostruktur. Wer im Wettbewerb mit kostengünstigen Direktinvestments bestehen will, muss die Auswahl an ETFs deutlich verbessern und im Sinne der Anlageklassen breiter aufstellen." 

Die Gewinner sind...
Am besten haben das in der Gesamtsicht die Liechtenstein Life, Alte Leipziger, Swiss Life, LV1871, Interrisk und Stuttgarter mit einem "Top-Rating" und mindestens 80 Prozent der maximal erreichbaren Punktzahl umgesetzt. Weiterhin sehr gute Ergebnisse erzielen HDI, Allianz, Condor, Helvetia und Volkswohl Bund mit einem "Best-Rating" und mindestens 70 Prozent der maximal erreichbaren Punktzahl von 175.

Der Report zeigt ferner auf, dass sich die Abdeckungsquoten der sogenannten Kern- und Satelliten-Assetklassen mit ETFs zwischen den Tarifen zum Teil stark unterscheiden. Während einige Anbieter wie die Alte Leipziger, Interrisk oder Liechtenstein Life eine teilweise vollständige Besetzung definierter Anlageklassen ermöglichen, fehlen bei anderen Anbietern wichtige Segmente, etwa aus dem Bereich Anleihen.

Nicht immer reine ETF-Policen möglich
Das hat direkte Auswirkungen auf die Portfolioqualität. In einigen Tarifen ist es nicht möglich, für Kundenprofile – insbesondere defensiv und ausgewogen – eine Strategische Asset Allokation (SAA) ausschließlich auf ETF-Basis umzusetzen (siehe "Methodik" unten). "Dies ist gerade vor dem Hintergrund sich verändernder Lebensphasen von Kunden und vor allem wohlverhaltensrechtlicher Anforderungen der Bafin problematisch und sollte unbedingt nachgebessert werden", kommentiert Dorn.

Allerdings ergab die Analyse, dass gemischte Portfolios, die neben ETFs auch aktive Fonds einbeziehen, im Vergleich höhere Renditen als reine ETF-Portfolios erzielen. Der Grund bestehe einerseits darin, dass die Investition in Marktindizes keine Überrendite zulässt, andererseits aber auch darin, dass die Auswahlbreite, insbesondere in Anlageklassen im ETF-Bereich, bisher nur eingeschränkt verfügbar ist. (jb)


Methodik
SAM hat zum Vergleichszweck 20 Fondspolicen ausgewählt und diese anhand von nunmehr vier Kundenprofilen untersucht. Das Profil "Defensiv" beschreibt einen Kunden, der eine Risikoneigung von circa zwölf Prozent hat – wobei SAM Risiko nicht als Volatilität definiert, sondern als maximalen Verlust, den ein Kunde bereit ist einzugehen (Maximum Drawdown, MDD). Der "ausgewogene" Kunde hat eine Risikoneigung von rund 17 Prozent. Kunden des Profils "Wachstum" sind bereit, einen zwischenzeitlichen Verlust von bis zu 22 Prozent hinzunehmen. Der Musterkunde des Profils "maximale Rendite" ist bereit, 30 Prozent Verlust hinzunehmen.

Basis der Analyse ist wieder eine Auswahl der individuellen Einzelfonds für die Test-Policen auf Grundlage der jeweils aktuellen Fondsuniversen der Versicherer, die dann nach den Regeln und Methoden der strategischen Asset-Allokation (SAA) zusammengesetzt wurden. Bei der SAA geht es darum, das Investmentportfolio aus sogenannten Core- und Satelliten-Portfolios so zu optimieren, dass die Renditeerwartung erfüllt und gleichzeitig das Risiko des jeweiligen Kundenprofils minimiert wird.

In die Note für die Tarife (Höchstpunktzahl 175) fließen dann die erwarteten Ergebnisse der optimierten Portfolios, das Risiko basierend auf dem MDD und die RDR ein, die für Rendite-Drawdown-Ratio steht, den Quotienten von Rendite und maximalem Drawdown. Je höher die Zahl, desto besser. Weitere Komponenten der Note sind Tarifmerkmale wie die Zahl der ETFs im Vertrag oder kostenlose Wechsel.