"Der Greenback war seit Mitte des letzten Jahrhunderts das Fundament der globalen Finanzordnung – verlässlich, mächtig, alternativlos", meint Julius Schneider, Markt- und Produktanalyst beim Münchner Maklerpool Fonds Finanz. "Doch der US-Dollar verliert seinen Nimbus. Nicht durch einen Kollaps, sondern durch eine schleichende Erosion des Vertrauens, die Investoren, Staaten und Zentralbanken gleichermaßen erfasst."

Schneider zufolge rütteln gleich mehrere Faktoren an der Vormachtstellung der globalen Leitwährung. Er nennt beispielsweise den politischen Druck auf die US-Notenbank Fed, die Sprunghaftigkeit der Regierung und die Zollpolitik, die langjährige Handelspartner verunsichert. Hinzu kommen die enorme Staatsverschuldung, die den Haushaltsspielraum Jahr für Jahr weiter einengt, und das Ziel der Trump-Administration, den Dollar zu schwächen, um die Exporte anzukurbeln.

"Von außen wirkt die Geopolitik als Katalysator", ergänzt der Finanzprofi. "Das Einfrieren russischer Auslandsreserven und der SWIFT-Ausschluss nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges haben eine Frage aufgeworfen, die sich nicht mehr verdrängen lässt: Wie sicher ist eine Währungsordnung, die als geopolitisches Druckmittel eingesetzt werden kann?"

Multipolare Streuung statt hegemonialer Wachablösung
Viele Investoren und Länder reagieren darauf, indem sie ihre Anlagen diversifizieren. Der Dollar-Anteil an den globalen Währungsreserven sei laut Internationalem Währungsfonds von über 70 Prozent Anfang der 2000er-Jahre auf zuletzt unter 57 Prozent gefallen, berichtet Schneider. "Doch es entsteht kein neues Währungsimperium – der Euro, als ein möglicher Kandidat, verharrt konstant bei rund 20 Prozent", so der Analyst. Vielmehr sei eine multipolare Streuung zu beobachten, keine hegemoniale Wachablösung.

"Russisches Öl fließt gegen Renminbi nach China, die BRICS-Staaten diskutieren eigene Zahlungskanäle, und Zentralbanken bauen Reserven abseits der Ankerwährungen auf", nennt Schneider einige Beispiele. "Dennoch bleibt der Dollar zentral, getragen von der hohen Liquidität des US-Kapitalmarktes und einem historisch gewachsenen Vertrauen, das sich nicht über Nacht auflöst."

Neue Schwerpunkte gefragt
Für europäische Anleger habe diese Entwicklung einen konkreten Preis: Jahrelang profitierten sie vom doppelten Rückenwind steigender US-Aktienmärkte und eines starken Dollar. 2025 lieferten US-Aktien erneut, doch die Dollar-Abwertung fraß über 13 Prozentpunkte Rendite auf. "Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Anleger reagieren, sondern wie", betont Schneider. Seiner Meinung nach rücken reale Vermögenswerte, Wachstumsquellen jenseits teurer US-Märkte und flexible, unabhängig agierende Strategien abseits US-lastiger Indexgewichtungen in den Vordergrund.

Für FONDS professionell ONLINE stellt Schneider drei Investmentprodukte vor, die zum Szenario einer De-Dollarisierung passen und teils schon seit vielen Jahren auf der Empfehlungsliste des Maklerpools stehen. Details finden Sie in der Bilderstrecke oben. (bm)