Deutsche Bank wirbt gezielt um Berater für Superreiche
Der Rückzug vieler Wettbewerber aus London eröffnet der Deutschen Bank neue Spielräume. Das Institut will den Umbruch im Umfeld der Superreichen für den Ausbau seines Wealth Managements nutzen.
Die Deutsche Bank will in Großbritannien verstärkt Berater für Superreiche anwerben, um von den Umwälzungen unter der Elite der Insel zu profitieren. Das Institut sieht hier neue Möglichkeiten entstehen.
Großbritannien sei neben anderen Märkten in Europa, dem Nahen Osten und Asien ein zentrales Zielgebiet, sagt Claudio de Sanctis, der die Privatkundensparte der Bank leitet. Insgesamt sollen 250 Privatbanker eingestellt werden.
Rückzug anderer Banken eröffnet Chancen
Andere Akteure fahren ihr Geschäft mit Superreichen in London zurück und eröffnen neue Standorte im Ausland, da Milliardäre in andere Länder abwandern. De Sanctis sieht vor diesem Hintergrund Chancen. Der gebürtige Italiener hält London für ein bleibendes globales Zentrum des Reichtums – trotz des Umstands, dass Tech-Milliardäre, Eigentümer von Premier-League-Klubs und Erben europäischer Dynastien der Stadt den Rücken kehren.
London bleibt aus Sicht der Bank zentral
"Meine Erwartung ist, dass viele dieser Familien, die jetzt umziehen, London weiterhin als den Ort sehen, an dem sie ihren Banker haben wollen – wegen des internationalen Charakters der Stadt und ihrer globalen Bedürfnisse", sagte de Sanctis im Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg". "Ich möchte diesen Moment, in dem andere sich zurückziehen, sehr gerne zu Geld machen."
Abschaffung des Non-Dom-Systems als Treiber
Milliardäre wie Guillaume Pousaz, Gründer von Checkout.com, Nik Storonsky, CEO von Revolut, sowie Nassef Sawiris, der zweitreichste Mann Ägyptens, haben Großbritannien bereits verlassen. Grund dafür ist die Abschaffung des sogenannten Non-Dom-Systems, das bis zu 15 Jahre lang Steuervergünstigungen auf Auslandseinkommen ermöglichte.
Einige Vermögende kommen angesichts der Einwanderungsprobleme in anderen Ländern, wie beispielsweise den USA unter US-Präsident Donald Trump, indessen auch nach Großbritannien.
Fokus auf erfahrene Privatbanker
De Sanctis ist in erster Linie daran interessiert, erfahrene Privatbanker von anderen Instituten abzuwerben. "Ich werde zu guten Bankern gehen und sagen: 'Sie können Ihre Arbeit von London aus machen. Wir bezahlen Sie, wir bieten Ihnen Anreize.'" Er fügte hinzu: "Ich bin auf lange Sicht vom Vereinigten Königreich überzeugt – es ist ein fantastisches Land mit einem führenden Finanzplatz."
Weitere Zielmärkte weltweit
Zu den weiteren Zielmärkten für die geplanten Neueinstellungen der Deutschen Bank zählen laut de Sanctis Dubai, Singapur und Hongkong. Seit 2019 leitet er das globale Wealth Management der Bank. 2023 übernahm er zusätzlich die Leitung der Privatbank.
"Wir werden fast ausschließlich Banker für das Ultra-High-Net-Worth-Segment einstellen", erklärte er zu den geplanten 250 Neuzugängen und nannte dabei keine genauen Zielzahlen für einzelne Regionen. "Die Idee ist, dass wir in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gezielt nach diesen Bankern suchen und sie in sehr kurzer Zeit in bedeutender Zahl einstellen."
Wealth Management als Wachstumstreiber
Die Deutsche Bank hat sich seit Beginn ihres Turnaround-Plans im Jahr 2019 unter der Leitung von CEO Christian Sewing auf den Ausbau ihres Wealth-Managements-Geschäfts konzentriert. Das verwaltete Vermögen ihrer Privatkundenbank stieg im Quartal bis September 2025 gegenüber dem Vorjahr um fast zehn Prozent. In Großbritannien haben sich die Einnahmen und Vermögenswerte ihres Privatbankgeschäfts seit 2022 rund verdreifacht. (mb/Bloomberg)














