Man könnte meinen, die wirtschaftlichen Härten der Covid-19-Pandemie hätten den Deutschen die Lust aufs Sparen ausgetrieben. Weit gefehlt, zeigt eine Postbank-Umfrage unter rund tausend Über-16-Jährigen von Ende April, über die die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Das Gegenteil ist der Fall: 77 Prozent der Befragten outeten sich als eifrige Sparer - Krise hin, Krise her. Damit ist ihr Anteil zuletzt sogar gestiegen. Im vergangenen Jahr gaben mit 74 Prozent etwas weniger Umfrageteilnehmer an, regelmäßig Geld zurückzulegen. "Die unsichere Wirtschaftslage motiviert die Menschen, ihr Geld beisammenzuhalten", erklärt Postbank-Experte Frank Kuczera. Man wisse eben schlicht nicht, welche Herausforderungen noch kommen.

In der Postbank-Umfrage gab mit 69 Prozent der weitaus größte Teil der Befragten an, sein Sparverhalten während der Krise nicht verändert zu haben. Elf Prozent legen inzwischen mehr Geld auf die hohe Kante als zuvor. Fünf Prozent sparen nach eigenen Angaben weniger, weitere fünf Prozent legen gar nichts zurück. Acht Prozent der Umfrageteilnehmer mussten zuletzt ihre Ersparnisse angreifen, darunter vor allem solche aus einkommensschwachen Haushalten. Bei jedem fünften Deutschen hat die Coronakrise zu Einkommensverlusten geführt.

Verfügbarkeit schlägt Zinsen
Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge lässt heute im Schnitt jeder zweite Deutsche sein Erspartes auf dem Girokonto liegen, obwohl es dort keine Zinsen abwirft. Das ist der höchste Wert seit 2014. Gut jeder Dritte parkt es auf dem ebenfalls fast zinslosen Tagesgeldkonto. Eine rasche Verfügbarkeit des Sparguthabens sowie ein hohes Maß an Sicherheit sind deutschen Sparern offensichtlich wichtiger als auskömmliche Zinsen. 

Viele Deutsche haben die gesunkenen Kurse im Corona-Crash dazu genutzt, Aktien zu kaufen. Es haben sich allerdings laut Postbank vor allem Anleger mit höherem Haushaltsnettoeinkommen an den Aktienmarkt gewagt. Weil weniger gut situierte Befragte nun seltener investieren als im vergangenen Jahr, ist die Zahl der Aktieninvestoren unterm Strich ungefähr gleichgeblieben. (fp)