Anfang Februar hat das Deutsche Institut für Normung seine DIN-Norm 77230 "Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte" veröffentlicht. Seitdem ist über ein halbes Jahr ins Land gezogen, in dem die Branche die Inhalte des Regelwerkes durchaus intensiv diskutierte (FONDS professionell ONLINE berichtete). Eine klare Meinung zur Zukunft der DIN haben Marktteilnehmer allerdings bislang nicht entwickelt – es herrscht weiterhin große Unsicherheit, ob sich die Norm überhaupt am Markt durchsetzen wird.

So lautet zumdest das Fazit einer Umfrage der Unternehmensberatung Ajco Solutions. Die Spezialisten für Vertriebsthemen haben dafür 50 Experten aus Banken, Versicherungen, Unternehmensberatungen, Maklerunternehmen und Finanzsoftware-Herstellern befragt, wie ihrer Erfahrung nach die Finanzhäuser zur Umsetzung der Norm stehen.

Demnach glauben 39 Prozent, dass die Norm ein wichtiger Teil der Beratungspraxis werden wird. 51 Prozent gaben allerdings an, dass die DIN aktuell keine Bedeutung hat – was sich aber ändern kann, wenn mehr und mehr Gesellschaften auf den Zug aufspringen. Jeweils fünf Prozent haben dazu keine Meinung oder sprechen der Norm jedwede Bedeutung ab.

Höheres Kundenvertrauen erwartet
Die Befragung förderte ferner zutage, dass sich die Finanzunternehmen und die Verantwortlichen durchaus mit dem Thema befassen. Etwa 50 Prozent der Teilnehmer haben sich bereits mit dem Regelwerk auseinandergesetzt, immerhin 39 Prozent gaben an, das Thema inhaltlich einordnen zu können.

Zudem werde die DIN 77230 bei 41 Prozent der Umfrageteilnehmer bereits im Management diskutiert. Allerdings ist es für knapp die Hälfte (49%) der von Ajco angesprochenen Personen nur ein Nebenschauplatz, zehn Prozent hatten von der Norm im Berufsalltag sogar noch nie etwas gehört. Wenn sich Gesellschaften der Norm annehmen, dann unter dem Aspekt der Standardisierung und Digitalisierung des Beratungsgeschäfts (65%) sowie der allgemeinen Unternehmensstrategie (60%).

Sollte die Norm Standard werden, erwarten die Befragten insbesondere vier Effekte für die Finanzdienstleistungsbranche: Mit jeweils 63 Prozent wurden die Zurückgewinnung von Verbrauchervertrauen sowie Standardisierung von Beratungsangeboten als Erwartung genannt. 61 Prozent gehen zudem von einer Verbesserung der Beratungsqualität und 51 Prozent von der Steigerung des Cross-Selling-Potenzials bei Banken und Versicherungen aus. (jb)