Vergangene Woche hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) den Entwurf für ein Modul zur "Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen" veröffentlicht. Dieses "ESG-Modul" soll nach den Vorstellungen der Initiatoren zukünftig als Bestandteil der DIN-Norm 77230 "Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte", aber auch losgelöst davon anwendbar sein. Bis Mitte Juli kann der Entwurf kommentiert werden. 

Hintergrund der Ergänzung der Finanznorm ist, dass ab Anfang August bei der Vermittlung von Anlage- und Versicherungsanlageprodukten die Nachhaltigkeitspräferenzen der Kunden abgefragt werden müssen. Gemeint sind, ökologisch nachhaltige Investitionen im Sinne der Taxonomie-Verordnung, oder nachhaltige Investitionen im Sinne der Offenlegungs-Verordnung oder Finanzinstrumente, mit denen die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren (PAIs) berücksichtigt werden.

Komplizierte Vorgaben
"Leider reicht es aber nicht, zu diesen drei Themen einfach jeweils eine Zeile im WpHG-Bogen oder in der Geeignetheitserklärung hinzuzufügen. Die Vorgaben sind denkbar kompliziert und sehen vor, den Kunden nach seinen ‚Nachhaltigkeitspräferenzen‘ zu befragen," schreiben Professor Hans-Peter Schwintowski, Humboldt Universität Berlin, und Rechtsanwalt Christian Waigel, Kanzlei Waigel Rechtsanwälte in einer Mitteilung.

Die beiden Juristen, die an dem Modul mitgewirkt haben, führen weiter aus, dass der europäische Gesetzgeber keinen "nachhaltigen Beitrag zur Anwenderfreundlichkeit geleistet" habe. "Für die meisten Kunden, und vielleicht auch Berater, wird die Terminologie zu kompliziert sein, um zu einer schnellen Formulierung der Nachhaltigkeitspräferenzen des jeweiligen Kunden zu kommen", so die Rechtsexperten. 

Verzicht auf Fachchinesisch
Aus diesem Grund sei am DIN ein Vorschlag für eine Normung zur Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen entwickelt. "Der jetzt vorliegende Entwurf verzichtet auf die komplizierte Terminologie der delegierten Rechtsakte und beschreibt einen für Kunden und Berater verständlichen und leicht umsetzbaren Prozess", so Schwintowski und Waigel. 
Konkret soll der Berater beim Kunden mit sieben Fragen dessen "ESG-Präferenzen" ermitteln.

Zunächst geht es um das grundsätzliche Interesse an der Verfolgung von Nachhaltigkeitszielen. Dann soll gefragt werden, ob der Kunde einen inhaltlichen Schwerpunkt bei den Bereichen Ökologie und Soziales setzen möchte und ob er eine Priorisierung bestimmter Einzelthemen innerhalb dieser Bereiche wünscht. Im nächsten Schritt wird nach der Intensität gefragt, mit der die Ziele verfolgt werden sollen. Fünftes schreibt das Modul vor, dass Mindestanteile an Investments ermittelt werden. Die Frage 6 dreht sich darum ob nur in Unternehmen investiert werden soll, die schon nachhaltig arbeiten, oder auch in solche, die das vorbereiten. Im letzten Punkt wird nach Ausschlüssen gefragt, darauf folgt die Ergebnisdarstellung. (jb)


In der kommenden Ausgabe (2/2022) von FONDS professionell, die Ende Mai beim Leser ist, finden Sie einen ausführlichen Beitrag zur Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenz bei Versicherungsanlageprodukten.