Zwischen der Fondsratinggesellschaft Morningstar und drei amerikanischen Finanzprofessoren hat sich eine Kontroverse entsponnen. Diese begann im November 2019, als die drei Wissenschaftler Lauren Cohen, Umit Gurun und Huaizhi Chen ein Diskussionspapier veröffentlichten. Das Werk trägt die provokante Überschrift: "Don’t Take Their Word For It: The Misclassification of Bond Mutual Funds", übersetzt also in etwa: "Trau' ihnen nicht: die Fehlklassifizierung von Anleihenpublikumsfonds".

Die drei Hochschullehrer gleichen in ihrer Studie die freiwilligen Meldungen von 1.294 US-Rentenfonds an Morningstar aus den Jahren 2003 bis 2019 mit den Portfoliodaten der Finanzaufsicht SEC ab. Die Fondsmanager müssen per Pflichtmitteilung quartalsweise die Bestände bei der Behörde einreichen. Cohen, Gurun und Chen kommen zu dem Schluss, dass gut 30 Prozent der untersuchten Rentenfonds Anleihen mit schlechterer Bonität beinhalten, als sie an die Ratinggesellschaft gemeldet wurden. Dadurch erscheinen die Portfolios besser, als sie sind.

Falsch sortiert
Denn die falsch klassifizierten Fonds würden mit Konkurrenten verglichen, die geringere Risiken eingehen und damit auch geringere Renditen erzielen, so die drei Forscher. Daraus resultiere eine scheinbare Outperformance je Quartal von im Schnitt 10,3 Basispunkten gegenüber den Mitbewerbern.

Vergleiche man hingegen die fehlsortierten Fonds mit der richtigen Vergleichsgruppe, würden sie sich als allenfalls mittelmäßige Performer entpuppen. In der Folge erhielten diese Fonds ein besseres Morningstar-Sterne-Rating, so die Forscher. Dieses misst das Abschneiden eines Fonds im Vergleich zu seiner Konkurrenz anhand des Verhältnisses von Risiko und Wertentwicklung.


Wie die drei Finanzwissenschaftler zu ihren Ergebnissen kommen und welche Argumente Morningstar der Studie im Detail entgegenstellt, lesen Sie im neuen Heft 1/2020 von FONDS professionell, das Ende März erscheint.


Die Analysten von Morningstar haben sich der Kritik des Professoren-Trios angenommen und die Datenlage daraufhin eingehend durchleuchtet. Die Ratingexperten kommen zu dem Schluss, dass Cohen, Gurun und Chen falschliegen. Sie weisen die Ergebnisse der Studie zurück und halten fest, dass die gemeldeten Portfoliodaten weitgehend korrekt seien. Demzufolge würden die Sterne-Ratings von Morningstar absolut angemessen das Rendite- und Risikoverhältnis der Bondfonds korrekt widerspiegeln.

Entgegnung von Morningstar
Drei Argumente führen die Experten ins Feld. Erstens bezögen sich die Fehlklassifizierungen, die die drei Akademiker bemängeln, meist auf Anleihen ohne Rating. Oftmals verfüge jedoch der Emittent über eine Bonitätsnote. Diese sei bei den Meldungen der Asset Manager auch den einzelnen Anleihen zugeordnet, bei den SEC-Portfoliodaten hingegen nicht.

Zweitens hätten die Autoren falsch interpretiert, wie das Morningstar-Sterne-Rating funktioniert. Und drittens: Selbst wenn es vereinzelt doch zu Fehlklassifizierungen gekommen wäre, hätten diese statistisch gesehen nahezu keine Auswirkungen auf die Sterne-Vergabe gehabt.

Replik der Forscher
Auf diese Replik antworteten die Studienautoren ihrerseits wiederum mit einem Nachtrag: Die Finanzwissenschaftler halten an ihren Schlüssen fest. Auch wenn sie etwa alle Anleihen ohne Rating ausklammern, kämen sie immer noch zu den gleichen Ergebnissen. Dies ist einstweilen der letzte Stand der Diskussion.

Beide Seiten betonen, dass sie in einem konstruktiven Austausch miteinander stehen. Morningstar meint zudem: "Wir begrüßen jede Debatte, welche die Informationslage für Investoren verbessert, gerade in so komplizierten Feldern wie Anleihen." Cohen, Gurun und Chen wiederum stellen klar: "Unser Ziel für dieses Projekt war von Beginn an: die immer komplexeren ­Entscheidungswege der Investoren und die daraus resultierende wachsende Rolle von Informationsintermediären auszuloten, die diese spielen." (ert)