Die zusätzliche Altersvorsorge über die gesetzliche Rente hinaus ist in Deutschland weiterhin wenig verbreitet und stark ungleich verteilt. Das zeigt eine neue Auswertung auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Der Befund ist besonders brisant vor dem Hintergrund der jüngsten Reform: Erst vor wenigen Wochen hat der Bundestag ein neues Altersvorsorgedepot beschlossen, das die Riester-Rente ersetzen soll. Ziel ist es, die private Vorsorge zu stärken und breiter zu verankern.

Geringverdiener besonders selten abgesichert
Die Daten zeigen jedoch, dass gerade einkommensschwächere Gruppen deutlich seltener zusätzlich vorsorgen. Besonders betroffen sind Geringverdienende sowie Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien. "Ergänzende private Altersvorsorge erreicht bislang längst nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen und verstärkt bestehende Ungleichheiten im Alter eher, als dass sie diese ausgleicht", sagt Peter Haan, Leiter der Abteilung Staat im DIW Berlin.

Auch weitere Unterschiede werden sichtbar: Menschen mit höherem Einkommen, besserer Bildung und ohne Migrationshintergrund verfügen deutlich häufiger über zusätzliche Vorsorge. Frauen sorgen zudem eher vor als Männer.

Riester-Verbreitung stagniert
Zwar ist die private Vorsorge unter Erwerbstätigen weiter verbreitet als bei heutigen Rentnern. Dennoch stagniert die Entwicklung seit Jahren. So existieren rund 15,5 Millionen Riester-Verträge bei etwa 45,5 Millionen Erwerbstätigen. Gleichzeitig ist die Verbreitung seit Mitte der 2010er Jahre nicht weiter gestiegen, zuletzt sogar leicht zurückgegangen.

Unter den heutigen Rentnern spielt private Vorsorge weiterhin nur eine geringe Rolle: Weniger als zehn Prozent beziehen eine entsprechende Zusatzrente. Bei der betrieblichen Altersversorgung liegt der Anteil bei etwa einem Drittel.

Auch betriebliche Vorsorge ungleich verteilt
Die betriebliche Altersversorgung ist insgesamt zwar weiter verbreitet als die private, weist aber ebenfalls deutliche Unterschiede auf. Beschäftigte in großen Unternehmen und bestimmten Branchen nutzen entsprechende Angebote deutlich häufiger als Beschäftigte in kleineren Betrieben. Zudem bestehen Unterschiede nach Geschlecht und Region.

"Wir wissen aus der Forschung, dass freiwillige Systeme zur zusätzlichen Altersvorsorge nicht die erforderliche Verbreitung erreichen", sagt Johannes Geyer vom DIW Berlin.

Reform greift zentrale Probleme nur teilweise auf
Das neue Altersvorsorgedepot soll die Attraktivität der privaten Vorsorge steigern – etwa durch renditestärkere Anlagestrategien oder ein staatliches Standardprodukt. Nach Einschätzung der Studienautoren bleiben jedoch grundlegende Probleme bestehen. Vor allem profitieren von Fördermechanismen häufig Haushalte mit höheren Einkommen.

"Wir wissen aus der Forschung, dass freiwillige Systeme zur zusätzlichen Altersvorsorge nicht die erforderliche Verbreitung erreichen, weil vor allem diejenigen vorsorgen, die ohnehin über ausreichende Ressourcen verfügen", so Geyer. "Die Förderung hängt stark davon ab, wie viel eingezahlt wird – dadurch profitieren Menschen mit höherem Einkommen überproportional."

Forderung nach strukturellen Reformen
Aus Sicht der Forschenden wären weitergehende Reformen notwendig, um die Verbreitung der Altersvorsorge zu erhöhen. Als mögliche Lösung nennen sie verpflichtende, kapitalgedeckte Systeme mit kollektiven Elementen. Diese könnten Risiken besser ausgleichen und unterschiedliche Erwerbsverläufe abfedern.

Gleichzeitig spricht sich eine Mehrheit der Bevölkerung für eine starke Rolle des Staates aus. Rund 60 Prozent der Befragten sehen den Staat in der Verantwortung, den Lebensstandard im Alter zu sichern. Nur eine kleine Minderheit setzt primär auf individuelle Vorsorge. (mb)