Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) im hohen zweistelligen Bereich bei Aktien von Internet-Unternehmen zeugten davon, dass Anleger wieder bereit seien, Risiken auf sich zu nehmen, um am Internet-Boom zu partizipieren, konstatiert der Fondsanbieter DNB Asset Management. Die Geschäftsmodelle einzelner Wachstumstitel hätten durchaus das Potenzial, Grenzen zu sprengen und neue Maßstäbe in Sachen Wachstum zu setzen. Dazu brauche es aber viel Vorstellungskraft, was wiederum mit Unsicherheiten verbunden sei. "Deshalb mutet der Preis einzelner Unternehmen unter Berücksichtigung klassischer Bewertungskriterien wie solide Bilanzen, hohe Cash-Flows, beeindruckende Eigenkapitalquoten und Dividendenkontinuität recht abenteuerlich an", sagt Anders Tandberg-Johansen, Head of Global Technology bei DNB Asset Management. Dabei gebe es genügend Alternativen zu den Highflyern aus dem Social Media- oder 3D-Druck-Sektor, zu deutlich attraktiveren Kursniveaus, ohne dass Abstriche in Bezug auf das Wachstumstempo gemacht werden müssten.

Innerhalb des Technologie-Universums hätten sich zwei Pole gebildet: Auf der einen Seite der "New Technology Club" mit den führenden Social Media-Plattformen und den hoch innovativen 3D-Druck-Firmen. Auf der anderen Seite die etablierten Top-Unternehmen wie Google, Apple oder Samsung. Ein Blick auf die teuersten Titel gemessen am KGV zeige, dass die Befürchtungen bezüglich einer Übertreibung begründet seien. Sie beschränkten sich aber auf wenige Unternehmen. Dazu könnten Salesforce, LinkedIn, Amazon, Netflix und 3D Systems gehören, bei denen es sich um visionäre Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten handele. Ob das ein KGV von 160 wie im Fall von Salesforce rechtfertige, dürfe aber kritisch hinterfragt werden.

Klassiker sind deutlich günstiger bewertet
Im Gegensatz zu den Überfliegern hätten die Branchengrößen wie Google und Samsung schon fast defensiven Charakter. Sie unterschieden sich im Endeffekt nicht durch die Wachstumsdynamik, sondern durch ihr wesentlich günstigeres Bewertungsniveau, nämlich einem bereinigten KGV von um die 20 oder weniger. Opera Software (26) und Gameloft (29) lägen nur leicht darüber. Zum Vergleich: Salesforce und LinkedIn kosteten den zehnmaligen Jahresumsatz, während 3D-Druck-Aktien zum 17-Fachen des derzeitigen Jahresumsatzes erworben werden müssten. Bestes Beispiel sei die Samsung-Aktie: Ihr KGV liege bei 7. Falls man die Cash-Positionen subtrahiere, sogar deutlich darunter. Die Margen seien zwar im profitablen Smartphone-Geschäft unter Druck geraten. "Bei aller Vorsicht scheint uns aber die Skepsis der Investoren maßlos übertrieben. Aus einer Risiko-Ertrags-Perspektive ist Samsung deshalb ein klarer Kauf", sagt Tandberg-Johansen.

Auch wenn eine gewisse Anzahl an Internetaktien auf dem Niveau einer Blase bewertet sei, gelte das nicht für den gesamten Technologiesektor. Im Gegenteil: Der Sektor habe im vergangenen Jahr nicht vermocht, den breiten Markt zu schlagen, wofür es intelligente Alphastrategien gebraucht habe. Spielraum nach oben bleibe folglich genügend vorhanden. (mb)