Sparen für den Ruhestand heißt für viele Menschen immer noch: Eine Lebensversicherung abschließen und auf die staatliche Rente vertrauen. Nur langsam wandelt sich dieses Bild. Auch in der Rentenphase dominierte bislang ein Modell: die Auszahlung der Altersvorsorge in festgelegten  Beträgen. Doch daneben treten vermehrt Varianten, bei denen die Einkünfte von der Marktlage abhängen und daher Schwankungen unterworfen sind, meint Frank Breiting, Leiter Altersvorsorge bei der DWS. Der Rentenexperte erklärt im Interview mit FONDS professionell, warum sich viele Menschen sogar mehr Flexibilität wünschen.

Herr Breiting, die Deutschen stützten ihre Altersvorsorge bislang auf Modelle mit festen Auszahlungen. Das Niedrigzinsumfeld macht es jedoch schwer, Leistungen zu garantieren. Wird das Einkommen im Alter weniger planbar?

Frank Breiting: In Deutschland ist eine lebenslange Auszahlphase üblich, zum Teil ist dies auch gesetzlich vorgegeben. Insofern unterscheidet sich Deutschland von einigen anderen Ländern. Aber auch hierzulande geht der Trend dahin, dass eine Mischung aus einer gesetzlich geförderten, einer betrieblichen und eventuell noch einer privaten Altersvorsorge die Basis der staatlichen Rente mit fixen Zahlungen ergänzt. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus finden zunehmend fondsgestützte Auszahlpläne Anklang. Die Renditen sind aber nicht der einzige Grund für einen Wandel.

Was spielt noch hinein?

Breiting: Mit 60 Jahren fühlen sich viele noch viel zu jung, um eine bis an ihr Lebensende reichende Entscheidung zu treffen. Die Kunden tun sich zunehmend schwer damit, ihr Geld lebenslang zu verplanen. Immer mehr Menschen schätzen daher die Flexibilität von Entnahmeplänen. Denn anders als bei einer Auszahlung über eine lebenslange Rente bleibt noch die Möglichkeit, andere Ausgaben zu tätigen: etwa die eigene Immobilie aufzuwerten oder die Kinder bei den Kosten für Ausbildung oder Studium zu unterstützen.


Welche Lösungen die Investmentbranche zum Sparen fürs und im Alter entwickelt hat und welche Modelle es für Auszahlpläne gibt, lesen Sie im neuen Heft 4/2018 von FONDS professionell, das Ende November erscheint.


Dennoch: Anders als bei klassischen Auszahlungen schwankt bei einem fondsgestützten Entnahmeplan die Höhe der Ausschüttungen je nach Marktlage. Oder die Sparer müssen mehr Anteile verkaufen, um ein planbares Einkommen zu erhalten. Dann reicht aber das Angesparte unter Umständen nicht so lange wie erhofft.

Breiting: Variable Auszahlungshöhen müssen kein empfindlicher Nachteil sein. Grundlegende Ausgaben wie Miete, Heizung, Strom sowie der sonstige Lebensunterhalt sollten über feste Renten abgedeckt sein. Darüber hinausgehende Wünsche lassen sich entsprechend der Marktlage skalieren. Fallen bei guter Börsenlage die Auszahlungen höher aus, geben diese vielleicht eine lange Weltreise her. Bei geringeren Ausschüttungen verbringt man eben den Urlaub im Heimatland. Unser Haus, wie auch viele andere in der Branche, stecken viel Grips in die Weiterentwicklung solcher Lösungen.

Bei der staatlich geförderten Riester-Rente wiederum ist eine Mindesthöhe für Auszahlungen vorgegeben. Kann diese ein Vorbild sein?

Breiting: Die bei der Riester-Auszahlung geforderte Garantie bekommen wir hin. Die Schwierigkeit liegt darin, angesichts der Null-Zinsen die Renditen für die aktuellen und auch für die künftigen Auszahlungen zu erwirtschaften. Denn in der derzeitigen Lage können wir kaum in Aktien investieren. Die Renditebringer bei Riester sind damit derzeit nur die Zulage und der Steuervorteil. Der Anlageteil kann insbesondere bei kürzer laufenden Verträgen kaum etwas dazu beitragen. Damit werden die Vorteile von Riester durch eine unnötige gesetzliche Vorschrift verwässert.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)