Seit fünf Jahren leitet Dirk Görgen den globalen Vertrieb der DWS. Unter seiner Führung hat das Unternehmen deutlich an Dynamik gewonnen: Die verwalteten Vermögen stiegen von 700 Milliarden Euro auf über eine Billion, und das ETF-Geschäft mit der Marke Xtrackers wurde massiv ausgebaut. Dennoch bleibt das aktive Asset Management der zentrale Ertragsbringer.

Görgen betont, dass die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre vor allem auf konsequente Kundenzentrierung zurückgeht. Die DWS habe Service und Produkte neu ausgerichtet, Innovationsprozesse beschleunigt und interne Silos aufgelöst, um Vertrieb, Produktentwicklung und Investment stärker zu verzahnen. Besonders im ETF-Bereich sei die schnelle Umsetzung von Ideen entscheidend gewesen.

Während ETFs ein klarer Wachstumsmotor sind, sieht Görgen das aktive Geschäft weiterhin als wichtigste Ertragsquelle. Erfolgreiche Themenfonds und starke "Evergreens" wie der DWS Top Dividende stützen das Ergebnis über Marktzyklen hinweg. Trotz Abhängigkeit von einzelnen Fondsmanager-Persönlichkeiten setzt die DWS auf Teamansätze, um Kontinuität zu sichern.

Bedeutung des Heimatmarktes
Deutschland bleibt mit 458 Milliarden Euro an verwaltetem Volumen das Herzstück des Geschäfts. Gleichzeitig sieht Görgen großes ungenutztes Potenzial, da nur rund 20 Prozent der Bevölkerung ein Depot besitzen. In der Altersvorsorge will die DWS auf politische Reformen, digitale Lösungen und Kooperationen mit Banken und Neobrokern setzen, um Menschen von Sparern zu Investoren zu entwickeln.

Frühzeitig setzt die DWS auf digitale Assets und hat bereits einen Euro-Stablecoin lanciert. Dabei geht es weniger um sofortige Zuflüsse als um den Aufbau künftiger Fähigkeiten. Beim Einsatz von KI agiert das Unternehmen bewusst vorsichtig: KI soll interne Prozesse und Research unterstützen, Investmententscheidungen bleiben aber beim Portfoliomanager

Plattformökonomie und Vertrieb
Die zunehmende Bedeutung von Plattformen, Sparplänen und Neobrokern sieht Görgen nicht als Bedrohung für klassische Vertriebskanäle. Stattdessen spricht er von einem wechselseitigen Lernen und einer Erweiterung des eigenen Lösungsangebots. API-fähige Tools sollen den Beratungsprozess unterstützen und neue Kundengruppen erschließen.

Langjährige Partner wie DVAG und Deutsche Bank bleiben zentrale Vertriebssäulen. Trotz Kritik an möglicher Abhängigkeit sieht Görgen darin eine stabile Basis. Die DWS wächst überwiegend organisch, prüft aber selektiv mögliche Übernahmen. Häufige Personalwechsel erklärt er mit einer leistungsorientierten Unternehmenskultur, in der Veränderung Teil des Fortschritts ist. (gp)


Ausgewählte Aussagen aus dem Gespräch mit Dirk Görgen finden Sie in der Bilderstrecke oben – einfach durchklicken! Das vollständige Interview lesen Sie in FONDS professionell 4/2025 ab Seite 308 oder nach Anmeldung hier im E-Magazin.