Die Spatzen hatte es schon länger von den Dächern gepfiffen, Ende Juni war es dann offiziell: Die European Bank for Financial Services (Ebase) aus Aschheim bei München erwirbt die Wertpapiersparte der Augsburger Aktienbank (AAB) vom Landwirtschaftlichen Versicherungsverein Münster (LVM) (FONDS professionell ONLINE berichtete). Damit wird die Ebase, die zum britischen Finanztechnologieunternehmen FNZ gehört, das von ihr betreute Volumen in Fondsdepots um rund 17 auf 50 Milliarden Euro erhöhen. Ihr Ziel: "Wir als Ebase, aber auch die FNZ-Gruppe wollen in den nächsten Jahren weltweit und speziell auch in Deutschland weiterwachsen", lässt sich Ebase-Chef Kai Friedrich, in der Mitteilung zitieren. Ziel sei es, auch in Deutschland der führende Anbieter von digitalen B2B-Anlagelösungen für Finanzdienstleister und deren Kunden zu werden. Im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE berichtet Friedrich, der erst seit April bei der Ebase ist, über die Herausforderungen einer solchen Migration, über die Zukunft der Branche und den Aufsichtswechsel der Finanzanlagenvermittler zur Bafin.


Herr Friedrich, wie weit ist die Migration der AAB in die Ebase schon gediehen?

Kai Friedrich: Zunächst einmal möchte ich betonen, dass wir nicht die AAB gekauft haben, sondern nur deren Wertpapiergeschäft, dazu kommt die Übernahme der Mitarbeiter in den dazugehörigen Abteilungen. Den Mitarbeitern bieten wir an, zur Ebase zu wechseln, was sie hoffentlich auch tun werden. Bei dieser Übertragung stehen wir noch am Anfang. Bis jetzt ist das sogenannte "Asset Purchase Agreement" unterschrieben worden. Die Übernahme wird abgeschlossen sein, wenn alle Wertpapierbestände auf unserer Plattform liegen und die Kunden sozusagen bei uns sind. Das ist für Mitte 2021 geplant. Wir planen an einem langen Wochenende im nächsten Sommer "den Schalter umzulegen". Anschließend werden wir neben München-Aschheim auch einen zweiten Standort in Augsburg haben. Allerdings steckt auch hier der Teufel natürlich im Detail.

Was meinen Sie damit?

Friedrich: Wir sprechen ja nicht über ein kleines Projekt. Es geht um über 180.000 Endkunden, die zu uns wechseln werden sowie eine Reihe von Mitarbeitern. Bei so einem solch komplexen Vorhaben gibt es immer wieder Punkte, auf die man kurzfristig und flexibel reagieren muss, damit am Ende alles klappt.

Wird sich für die Kunden der AAB etwas ändern?

Friedrich: Wir wollen die Konditionen und die Services der AAB grundsätzlich beibehalten und letztlich nur die Endkunden auf die technische Plattform der Ebase überführen. Mit den angeschlossenen Beratern beziehungsweise Partnern werden wir aber natürlich Gespräche führen, da sich durch die Migration auf das Ebase-System Änderungen ergeben können, die wir gemeinsam angehen werden, um auch in Zukunft weiterhin erfolgreich zusammenzuarbeiten. Grundsätzlich gehe ich aber eher davon aus, dass wir die eine oder andere Angebotslücke, die die Ebase im Vergleich zur AAB noch hat, schließen werden. Die AAB ist beispielsweise stärker in der Vermögensverwaltung aktiv.

Kommen wir zur Branche: Das Plattformengeschäft gilt als margenarm, sodass Masse zählt. Wie wird der Konsolidierungsprozess weitergehen, den die Ebase und auch die FFB mit dem Aufkaufen von Mitbewerbern angestoßen haben? Wie viele Plattformen wird es am Ende geben? Und planen Sie, weitere Mitbewerber aufzukaufen?

Friedrich: Eine Menge Punkte… deshalb zunächst zum letzten. Wir müssen erst einmal diese Übernahme stemmen. Ich will zwar nicht ausschließen, dass wir in der Zukunft weitere Übernahmen tätigen werden, aber im Moment arbeiten wir an dieser. Ferner gehe ich grundsätzlich davon aus, dass es in der Branche zu einer weiteren Konsolidierung kommen wird, allein schon, weil der Kostendruck sehr hoch ist. Das Geschäftsmodell basiert darauf, dass man einen möglichst hohen Anteil an den "Assets under custody" hat, verbunden mit einer hohen Effizienz der IT, damit man auch von relativ kleinen Margen leben kann. Derselben Logik folgt auch unsere Transaktion und die Migration der Bestände der AAB. Zudem gibt es noch den Druck durch die Regulierung und immer wieder neue Vorgaben, die die Branche umzusetzen muss, was immer aufwändiger und teurer wird. Ich bin übrigens gespannt, wie der Regulator auf die jüngsten Skandale wie Wirecard reagieren wird und ob das Auswirkungen auf uns hat. Wohin die Reise die Branche aber führt und wer schließlich übrigbleiben wird, das weiß ich natürlich auch nicht.

Die Regulierung übt auch Druck auf ihr Gebührenmodell aus, da der Aufwand für die Rechtfertigung von Provisionen unter Mifid II gestiegen ist. Wie werden Sie sich Ihre Services künftig vergüten lassen?

Friedrich: Das diskutieren wir gerade, entschieden ist das aber noch nicht. Übrigens auch nicht vonseiten der Politik. Ob ein Provisionsverbot kommen wird, bleibt abzuwarten. Unsere Aufgabe ist es aber, unabhängig von den Entscheidungen aus Brüssel oder Berlin ein faires Preismodell anzubieten, das auch für den Endkunden attraktiv ist. Honorarberatung ist rational betrachtet ein tolles Modell, leider aber noch ein zartes Pflänzchen in der deutschen Finanzlandschaft. Neben der grundsätzlichen Fragen nach dem zukünftigen Vergütungsmodell sehen wir aber im Markt, dass im Moment vielfach andere Punkte weiter oben auf der Prioritätenliste steht, etwa was man mit der Liquidität seiner Kunden machen sollte, da die EZB von den Banken 0,5 Prozent Strafzinsen für Einlagen verlangt.

Eine Möglichkeit, Mifid II und den Auflagen bei den Provisionen ein Schnippchen zu schlagen sind doch die provisionsfreien Anteilsklassen, die "Clean Shares", von denen gerade die AAB viele auf der Plattform führt. Werden Sie das Angebot beibehalten oder sogar ausbauen?

Friedrich: Wie gesagt, grundsätzlich planen wir, an den Konditionen und Angeboten der AAB festzuhalten. Ihre Frage führt aber zu einer ganz anderen. Wie bepreist man Clean Shares, oder auch ETFs? Auch hierzu kann ich nur sagen, dass die Ebase wie auch die gesamte Branche überlegt, wie man in dieser Beziehung am besten vorgeht.

Noch eine Frage zur Regulierung: Man kann davon ausgehen, dass eine Reihe an 34f-Vermittlern im Zusammenhang mit dem geplanten Aufsichtswechsel hin zur Bafin die Segel streichen wird. Wie werden Sie darauf reagieren?

Friedrich: Ich bin gespannt, wie die Bafin diese Übertragung schaffen möchte. Ich gehe davon aus, dass es Übergangszeiten geben wird. Aber zu uns: Wir arbeiten intern an einer Strategie, zu der ich bis jetzt nur Folgendes sagen kann: Ein wichtiger Aspekt ist, wie man für die Vermittler eine Lösung anbieten kann, mit der das Geschäft weiter attraktiv bleibt, wie beispielsweise mittels eines Haftungsdaches.

Vor einem Jahr hat die AAB in einer Umfrage von FONDS professionell angegeben, dass immer noch rund die Hälfte der Finanzberater ihre Order per Fax einreicht. Bei der Ebase war der Prozentsatz wesentlich geringer: Wie wollen Sie die Fax-Anhänger und Digitalverweigerer überzeugen, kein Papier mehr zu nutzen?

Friedrich: Das Fintech Younited Credit, für das ich gearbeitet habe, hat an einem Punkt entschieden, einfach kein Papier mehr vom Kunden anzunehmen. Das wurde von diesen schließlich auch akzeptiert. So weit wollen wir bei der Ebase nicht gleich gehen, Zwang ist meist nicht das beste Mittel. Man muss aber mit den Kunden sprechen und Alternativen zum Fax aufzeigen. Letztere sind nicht nur schneller, sondern auch sicherer. Beim Thema Fax stellen sich mir übrigens die Nackenhaare auf, denn das ist doch im Grunde nur noch ein Relikt aus den 90er Jahren.

Wir danken für das Gespräch. (hh)