Der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster (LVM) hat offensichtlich einen Käufer für seine Tochter Augsburger Aktienbank (AAB) gefunden. Der Versicherer soll sich mit dem britischen Finanztechnologieanbieter FNZ einig sein, zu dem bereits der AAB-Mitbewerber European Bank for Financial Services (Ebase) gehört. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf Unternehmenskreise. Die LVM und die AAB wollten auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE keine Stellung zu dem Bericht nehmen. Ebase und FNZ haben sich gegenüber der Zeitung ebenfalls nicht geäußert.

Die SZ meldete bereits vor rund drei Monaten, dass der Versicherer auf der Suche nach einem Käufer für seine Banktochter ist. Damals hieß, dass Gespräche mit mindestens zwei Interessenten geführt werden. Die Verhandlungen würden sich aber schwierig gestalten, da die im namensgebenden Augsburg ansässige älteste Direktbank Deutschlands vorwiegend als Fondsplattform für Vermögensverwalter und Finanzanlagenvermittler tätig ist. Das Plattformgeschäft zählt aber zu den Nischen auf dem deutschen Finanzdienstleistungsmarkt. Nur ein Käufer, der selber in dieser Nische agiert, könnte also einen Nutzen aus der Übernahme ziehen. Das wäre im Falle der Ebase gegeben, die ebenfalls als Fondsplattform und Depotbank mit Fokus auf Finanzdienstleister tätig ist.

Zweite Fusion unter Fondsplattformen binnen eines Jahres?
Der SZ zufolge soll das Fintech FNZ, das die Ebase im Sommer 2019 von der Comdirect übernommen hatte, vor allem an den Kunden der AAB interessiert sein – aus gutem Grund. Mit der Übernahme würde sich die Zahl der Depots der Ebase erhöhen. Zusammen hätten beiden Plattformen knapp 1,2 Millionen Depots, wozu die AAB nach Stand Ende 2019 rund 180.000 beisteuern würde. Das verwaltete Kundenvermögen würde nach Rechnung der Zeitung zusammen rund 47 Milliarden Euro betragen. Weil das Plattformgeschäft als margenarm gilt, ist Größe umso wichtiger. Zudem ist die IT entscheidend, um möglichst kostengünstig arbeiten zu können. Hier hat ein Dienstleister wie FNZ Ressourcen, die er nutzen kann.

Wegen des Kostendruckes hatte sich vor rund einem Jahr bereits das Bankhaus Metzler entschieden, sich von allen Retailkunden seiner Fondsplattform "Metzler Fund Xchange" zu trennen. Der Geschäftsbereich wurde von der FIL Fondsbank (FFB) übernommen. Einige Fondsplattformen, darunter auch die ABB, haben wegen der Kosten in den vergangenen Jahren auch schon ihre Gebühren erhöht. Zuletzt führten einige Depotbanken auch Verwahrentgelte ein, um die Strafzinsen für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank an die Kunden weiterzugeben.

Verschiedene Besitzer
Die AAB wurde 1963 gegründet und hatte schon mehrere Besitzer, so die SZ. Bis 1988 gehörte sie der Industriellenfamilie Harald Quandt. Dann stieg der Rückversicherer Swiss Re mit 50 Prozent ein. Dessen Anteile "erbte" 1995 die Allianz, als sie die Swiss-Re-Tochter Vereinte Versicherung übernahm. 1997 kaufte der deutsche Versicherungsprimus der Quandt-Holding auch die übrigen 50 Prozent ab. Als die Allianz 2001 die Dresdner Bank übernahm, passte die AAB nicht mehr ins Firmenportfolio. Sie ging daher 2002 an den LVM über. Der Versicherer wollte so in der Lage sein, seinen Vermittlern auch Investmentfonds anzubieten. Mittlerweile, so die SZ, benötigt der Versicherer die ABB dafür aber nicht mehr. (jb)