Ist das eine Trendwende? In den vergangenen knapp neun Jahren sank die Zahl der Versicherungsvermittler jedes Quartal. Doch in den letzten drei Monaten 2020 änderte sich das: Es kamen 681 neue Vermittler dazu – ein Plus von 0,35 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das geht aus den aktuellen Statistiken des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zum Vermittlerregister hervor, die FONDS professionell ONLINE ausgewertet hat.

In absoluten Zahlen ausgedrückt verzeichnete das Register des DIHK am 1. Januar 2021 in Summe 197.437 Versicherungsvermittler mit einer Erlaubnis gemäß Paragraf 34d Gewerbeordnung (GewO). Drei Monate zuvor waren es nur 196.756 gewesen. Die Differenz beruht vor allem auf der gestiegenen Zahl der gebundenen Vertreter, die um 644 auf 118.135 zulegte.


In der Bilderstrecke oben hat FONDS professionell ONLINE die wichtigsten Zahlen zu den 34d-, 34f- und 34i-Vermittlern sowie zu den 34h-Beratern aus dem DIHK-Register grafisch aufbereitet – einfach weiterklicken.


Der DIHK selbst hat keine Erklärung für den unerwarteten Anstieg bei den Versicherungsvermittlern, wie der Dachverband der Industrie- und Handelskammern auf Anfrage der Redaktion mitteilte. In der Branche kursieren mehrere Erklärungsansätze. Zum einen ist es möglich, dass das Werben um Nachwuchs endlich Früchte trägt. Zum anderen könnte auch der Markteinstieg von neuen Teilnehmern wie Online-Portalen und aus dem Insurtech-Lager zu neuen Zulassungen geführt haben. Ein anderer möglicher Grund ist, dass viele Versicherer ihren Angestelltenvertrieb ausdünnen und zahlreiche Entlassene sich in der Selbstständigkeit versuchen: Zahlen des Arbeitgeberverbandes zeigen, dass die Versicherer in den vergangenen zehn Jahren mehr als 10.000 Stellen im Außendienst abgebaut haben. Zudem dürften zuletzt viele ältere Vermittler ihren Ruhestand vertagt haben, weil sie ihren Bestand nicht inmitten der Corona-Pandemie verkaufen wollten.

Die übrigen Statistiken des DIHK enthalten keine großen Überraschungen. Das Lager der gewerblichen Finanzanlagenvermittler mit Erlaubnis nach Paragraf 34f GewO wuchs um 145 auf 38.106. Die Zahl der Immobiliardarlehensvermittler (34i) steigt seit Beginn 2020 kontinuierlich und erreichte mit 54.756 einen neuen Höchststand.

Mehr Honorarberater
Nur minimale Veränderungen gab es bei den Honorar-Finanzanlagenberatern (34h). Anfang Januar waren es 208, drei mehr als ein Quartal zuvor. Der DIHK zählte ferner 675 Honorar-Immobiliardarlehensberater, ebenfalls ein Plus von drei Gewerbetreibenden, sowie 326 Versicherungsberater – fünf weniger als im Oktober 2020. (jb/bm)