Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat wie ihre nationalen Pendants seit einiger Zeit ein kritisches Auge auf die Kosten von UCITS- und Alternativen Investmentfonds (AIF) geworfen. Neben den Aufwendungen für die Asset Manager schaute die Behörde in ihrem jüngst veröffentlichten "Report on total costs of investing in UCITS and AIFs", den sie vor einem Jahr angekündigt hatte, genauer auf die Vertriebsaufwendungen, die aus den Sondervermögen gezahlt werden.

Die Daten stammen von den Anbietern selbst sowie den Intermediären. Vorwegschicken muss man, dass die Aufsicht nicht zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten differenziert, alles wird auf europäischer Ebene aggregiert. Die ESMA betont aber die sehr großen Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten, sodass sich aus den Resultaten der Studie wohl nur bedingt Rückschlüsse auf einzelne Länder ziehen lassen.

Provisionen machen Löwenanteil der Vertriebskosten aus
Der Studie zufolge entfallen europaweit im Schnitt über alle Fondskategorien, Vertriebskanäle und Investoren hiweg rund 0,5 Prozent des investieren Kapitals oder 48 Prozent der Gesamtkosten eines UCITS-Fonds auf die Aufwendungen für den Vertrieb. Der allergrößte Teil davon wiederum sind Provisionen. Die Vertriebskosten und damit der Anteil von Provisionen sind bei AIF mit 27 Prozent niedriger.  

Mit Blick auf die Vertriebskanäle von UCITS-Fonds differenziert die ESMA zwischen Banken, unabhängigen Beratern (IFAs), Neobrokern und Digitalplattformen sowie "Investmentfirmen". Die Definition für "Investmentfirma" ist breit, letztlich dient diese Kategorie als Sammelbecken für alle Unternehmen, die Fonds vertreiben, aber nicht in eine der anderen Gruppen fallen. Unter IFAs versteht die ESMA "Experten, die unabhängige Beratung" bieten. Die Datenbasis für den Vertrieb über IFAs war der Aufsicht zu dünn, um gesonderte Ergebnisse zu veröffentlichen. 60 Prozent des untersuchten Fondsvermögens wurden von Banken und Investmentfirmen vermittelt.

Investmentfirmen erhalten die höchsten Zuwendungen
Insbesondere die Provisionen für UCITS, die die Investmentfirmen bekommen, sind der ESMA-Studie zufolge hoch: 49 Prozent der laufenden Kosten – neben einmal anfallenden Gebühren – der über die Investmentfirmen vertriebenen Fonds entfallen auf Provisionen. Bei Banken sind es 45 Prozent, bei Neobrokern und anderen Plattformen 42 Prozent. Die ESMA vergisst aber nicht zu erwähnen, dass Banken und Investmentfirmen ihren Kunden eine Beratung anbieten, anders als die Neobroker.

Die Provisionen für AIFs betragen im Schnitt nur 34 Prozent der laufenden Kosten. Allerdings sind sie in absoluten Zahlen höher als bei UCITS, denn die laufenden Kosten der AIFs übersteigen die ihrer UCITS-Pendants. So zahlt ein Anleger, der 10.000 Euro investiert, im Schnitt 188 Euro pro Jahr. Davon gehen der ESMA zufolge 65 Euro an den Vertrieb. Die prozentual niedrigeren Vertriebskosten von AIFs in Europa begründet die ESMA mit deren Vertriebsstruktur. So würden die AIFs primär direkt an institutionelle Anleger und vermögende Privatleute vermarktet. Damit entfallen die für UCITS-Fonds typischen Intermediäre.

Kostenausweise als Datenbasis
Basis der Analyse sind Ex-Post-Kostenausweise von 67.856 Anteilsklassen von UCITS-Fonds, die von 369 Fondsgesellschaften verwaltet werden, sowie 19.226 Anteilsklassen von AIFs, die von 610 Gesellschaften stammen. Das verwaltete Vermögen der untersuchten UCITS-Vehikel beträgt rund 7,2 Billionen Euro, die damit 66 Prozent des gesamten EU-UCITS-Marktes repräsentieren. Die analysierten AIFs verwalten in Summe 2,6 Billionen Euro, das entspricht rund 40 Prozent des europäischen AIF-Markts. Die ESMA nahm dabei die Gebühren unter die Lupe, die die Asset Manager einbehalten, sowie die Aufwendungen, die an die Vertriebspartner gingen. (jb)