Benjamin Graham, der Vater des Value-Investing, erkannte schon vor mehr als 70 Jahren, wer der größte Gegner eines jeden Anlegers ist: er selbst. "Grahams Analyse ist heute aktueller denn je", sagt Michael Blümke, Portfoliomanager bei Ethenea. Verzerrungen in der eigenen Wahrnehmung und Fehler in der persönlichen Einschätzung verhageln Investoren immer wieder die Rendite. "Ein Investment, das ich aufgrund einer verzerrten Einschätzung tätige, ist oft ein schlechtes Investment", erklärt Blümke. Sein Rat: Anleger sollten sich ihres sogenannten Bias bewusstwerden und versuchen, ihn zu neutralisieren.

Verzerrungen können kognitiver oder emotionaler Natur sein. Manche Anleger ignorieren Statistikfehler, andere geben ihren Gefühlen bei der Geldanlage zu viel Raum. Zu den bekanntesten kognitiven Biases gehören der "Confirmation Bias" und der "Hindsight Bias", also der Bestätigungs- und der Rückschaufehler. "Der Bestätigungsfehler tritt ein, wenn Menschen Informationen so auswählen und interpretieren, dass die bereits bestehende eigene Meinung bestätigt wird", erklärt der Ethenea-Experte. "Der Rückschaufehler führt hingegen dazu, dass mit dem Wissen um den Ausgang vergangener Ereignisse die Fähigkeit überschätzt wird, zukünftige Ereignisse vorherzusagen."

Angst essen Rendite auf
Eine der häufigsten emotionalen Wahrnehmungsverzerrungen ist der "Verlustaversions-Bias". "Dieser lässt Anleger nachweislich irrationale Entscheidungen treffen", sagt Blümke. Die Verhaltensökonomen Daniel Kahnemann und Amos Tversky konnten nachweisen, dass Menschen Verluste höher bewerten als Gewinne in derselben Höhe. Das führt oft dazu, dass Anleger mehr tun, um Risiken zu senken, als um Gewinne zu maximieren.

Um solche Fehler zu vermeiden, rät der Portfoliomanager zu klaren Regeln beim Investieren, einer sorgfältigen Dokumentation und einer objektiven Anlagestrategie. "Investoren sollten eine Vorstellung von Positionsgrößen, Risikobudgets und Diversifikation haben", sagt er. Sie sollten sich nicht in Investments verlieben und auch andere Meinungen als die eigene berücksichtigen. Verluste sollten sie in schwierigen Börsenphasen konsequent begrenzen, am besten nach einem vordefinierten Regelsystem. (fp)