Ex-Bundesbankchef Weber verkauft alle US-Aktien – und setzt auf Europa
Axel Weber warnt Anleger vor der zunehmenden Dominanz weniger US-Technologiekonzerne. Der frühere Bundesbankpräsident richtet seinen Fokus verstärkt auf Europa – und sieht dort gerade bei Finanzen, Industrie und Technologie Chancen.
Der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber warnt vor einer zunehmenden Konzentration an den US-Aktienmärkten und setzt in seinem eigenen Portfolio verstärkt auf Europa. Im Interview mit dem "Handelsblatt" spricht er über die Folgen des KI-Booms, seine persönliche Anlagestrategie und die wirtschaftlichen Perspektiven Europas. Weber ist einer der Keynote-Speaker beim kommenden World Financial Planning Day am 7. Oktober in Köln, den der FPSB Deutschland gemeinsam mit FONDS professionell veranstaltet.
Besonders kritisch sieht Weber die Dominanz der großen US-Technologiekonzerne. Die "Magnificent Seven" stünden inzwischen für 35 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500. In den Jahren 2024 und 2025 hätten Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Meta und Tesla rund 70 Prozent der gesamten Kursgewinne des Index geliefert.
Dabei könnte sich die Konzentration nach Einschätzung Webers noch verschärfen. Viele Gewinner der KI-Entwicklung wie OpenAI oder Anthropic seien noch gar nicht börsennotiert. "Ich würde mich nicht wundern, wenn in fünf bis zehn Jahren die zehn größten Technologieunternehmen 50 Prozent des Marktes dominieren", sagt Weber.
"Kein Antiamerikanismus, sondern nüchterne Abwägung"
Anleger sollten darauf vor allem mit einer breiten Streuung reagieren. "Die wichtigste Pflicht ist Diversifikation", betont Weber im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Wer einen ETF auf den S&P 500 kaufe, gehe faktisch eine massive Wette auf sieben große Technologiekonzerne ein. Die übrigen 493 Unternehmen stünden zwar im Schatten der Giganten, könnten den Markt mit ihren soliden Gewinnen und Einnahmen in Korrekturphasen aber stabilisieren.
Weber selbst hat daraus weitreichende Konsequenzen gezogen. Nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump Anfang 2025 habe er sämtliche US-Einzelaktien verkauft, darunter auch die großen Technologiewerte. Einige global diversifizierte ETFs halte er weiterhin. Seine Entscheidung sei "kein Antiamerikanismus, sondern eine nüchterne Abwägung aus Renditepotenzial, Bewertungsniveau und geopolitischer Risikolage".
Weber setzt auf Europas Banken und Industrie
Stattdessen verfolgt Weber nach eigenen Angaben eine Strategie unter dem Motto "MEGA" – "Make Europe great again". Dabei setzt er einerseits auf europäische Finanzwerte, insbesondere Banken, Börsen und Versicherungen. Andererseits investiert er in europäische Industrieunternehmen aus den Bereichen Verteidigung, Infrastruktur, Energie und Technologie. Beide Portfolios seien in den vergangenen zwei Jahren fast doppelt so stark gestiegen wie der S&P 500.
Auch bei Technologie sieht Weber Chancen für Europa. Bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz hätten die USA zwar die Führungsposition erobert, gefolgt von China. Europas Stärke könne jedoch in der Industrialisierung der Technologie liegen. Bei der Übertragung von KI auf Robotik und industrielle Automatisierung könnten europäische und japanische Unternehmen "an die Spitze streben".
"Deutschland ist reformunfähig und reformunwillig"
Deutlich skeptischer äußert sich der ehemalige Bundesbankpräsident zur deutschen Wirtschaftspolitik. Deutschland handle, "als wäre es nicht in einer Krise". Die Wirtschaftsleistung liege auf dem Niveau von 2018, die Investitionen sogar auf dem Niveau von 2015.
Grundlegende Reformen hält Weber derzeit kaum für durchsetzbar. "Deutschland ist reformunfähig und reformunwillig", sagt er dem "Handelsblatt". Hoffnung setzt er stattdessen auf Reformen auf europäischer Ebene. Zu seinen zentralen Forderungen zählen die Vollendung der EU-Kapitalmarktunion, bessere Rahmenbedingungen für Venture-Capital und eine effizientere Energiepolitik. (mb)

Der World Financial Planning Day ist ein internationaler Aktionstag des Financial Planning Standards Board, der die Bedeutung ganzheitlicher Finanzplanung und finanzieller Bildung in den Mittelpunkt stellt. In Deutschland wird er als neues Premium-Event für Financial Planning, Wealth Management und Investmentstrategien etabliert und gemeinsam vom FPSB Deutschland und FONDS professionell veranstaltet.
Am 7. Oktober 2026 treffen sich führende Vertreter der deutschsprachigen Financial-Planning- und Wealth-Management-Branche in der Kölner Flora. Die Veranstaltung richtet sich an Finanzplaner, Vermögensverwalter, Private Banker, Family Offices und erfahrene Allokationsentscheider. Neben Fachvorträgen steht vor allem der Austausch auf Entscheider-Ebene im Fokus. Begleitet wird das Event von führenden Fondsgesellschaften und weiteren Marktteilnehmern.













