Acht Jahre lang leitete Kevin Parker die Fondstochter der Deutschen Bank, bevor er 2012 abtrat. Schon als DWS-Chef verwies er auf die Bedeutung des Klimawandels und die Auswirkungen auf die Investmentwelt. Nach seinem Abschied von der Deutschen Bank gründete Parker die Boutique Sustainable Insight Capital Management und legte in den USA einen Fonds auf, der zum einen ökologische, ethische und soziale Faktoren berücksichtigt und zum anderen auf die Auswertung von Daten setzt. Über die Servicegesellschaft Universal-Investment kommt die Strategie nun nach Europa. Im Interview mit FONDS professionell erläutert Parker seinen Ansatz.


Herr Parker, nachhaltige Investments, künstliche Intelligenz und Big-Data-Analyse: Das sind gleich drei Trend-Schlagworte auf einmal. Unterscheidet sich Ihr Ansatz überhaupt von den vielen anderen Angeboten?

Kevin Parker: Unsere Strategie ist meines Wissens sogar einzigartig. Aber natürlich: Über die vergangenen Jahre sprangen viele Anbieter auf den Null-Treibhausgas-Emissionen-Zug auf. Nachhaltige Investments sind zum Mainstream geworden – wie ich es schon vor 15 Jahren vorhersagte. Doch unser Weg, einen Mehrwert gegenüber dem Markt herauszuholen, unterscheidet sich von allen anderen.

Wo genau liegt der Unterschied?

Parker: Mithilfe unserer Datenanalyse und maschinellem Lernen filtern wir aus den gut 10.000 Aktienanalysten der Welt diejenigen mit den treffsichersten Prognosen heraus. Kurz gesagt: Wir suchen rund um den Globus die pfiffigsten Frauen und Männer, die Aktienresearch schreiben. Dabei stellte sich übrigens heraus, dass die Mädels meist besser sind als die Jungs, aber das ist eine eigene Geschichte. Jedenfalls bauen wir aus den Erkenntnissen der Analysten ein Portfolio, das den Vergleichsindex S&P 500 übertrifft.

Wo finden Sie die besten Analysten?

Parker: Überall. Wir blicken durch eine absolut objektive Linse auf die Welt. Es ist uns egal, ob jemand aus Brasilien, Deutschland oder Russland stammt, ob jemand groß oder klein ist. Entscheidend ist, ob sie oder er gut darin ist, Aktien auszuwählen – nichts anderes.

Aber ausgerechnet Big Data und künstliche Intelligenz machen doch Aktienanalysten womöglich überflüssig.

Parker: Nein, Prognosen über den Untergang des Wall-Street-Research sind Nonsens. Die Welt ist komplex und sie wird nicht einfacher, im Gegenteil. Wir benötigen intelligente Menschen, die alle Entwicklungen verstehen und die Zusammenhänge überblicken. Um gute Investmententscheidungen treffen zu können, benötigen Anleger schlaue Köpfe, die die Unterschiede zwischen Unternehmen wie Volkswagen, Toyota oder Tesla ausloten.

Wie können Sie sicher sein, alle guten Aktienanalysen erfasst zu haben? Bestimmt sind nicht alle öffentlich zugänglich.

Parker: Zum einen ist es die Raison D'Être der Analysten, der Daseinsgrund, ihre Erkenntnisse zu veröffentlichen. Sie wollen sich Gehör verschaffen und mit ihren Einschätzungen und Erkenntnissen die Entscheidungen von Investoren beeinflussen. Zudem führte die vom New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer im Jahr 2002 aufgedeckte Affäre um Wertpapierhandel und Empfehlungen der Investmentbanken dazu, dass Research zeitgleich an alle Marktteilnehmer herausgegeben werden muss. Dies mündete in elektronischen Plattformen, auf der praktisch jegliches Research veröffentlicht wird und die wir auswerten. An diese US-Regeln halten sich auch viele Institute in anderen Teilen der Welt, da sie hier Geschäfte betreiben wollen.

Wie kamen Sie auf die Idee, die Analysten-Prognosen auszuwerten?

Parker: Das entsprang der Hybris, die immer wieder in der Finanzwelt zu erleben ist. So manch ein Anbieter proklamiert, dass sein Team die besten Portfoliomanager und Analysten der Welt umfasst. Das glaube ich jedoch nicht. Selbst eine Spitzen-Fußballmannschaft wie Bayern München hatte niemals die besten elf Spieler der Welt zur gleichen Zeit auf dem Platz. Wie mit Fußballern ist es auch mit Analysten. Niemand kann gleichzeitig die besten engagieren.

Ihnen gelingt das?

Parker: Nein, wir engagieren ja niemanden. Wir versuchen lediglich, die besten Analysten der Welt zu finden und auf ihren Erkenntnissen aufzubauen. Das gelingt uns gewiss nicht immer. Aber ich denke, wir sind näher dran als viele andere.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei Ihrem Ansatz?

Parker: Wir schließen die Unternehmen mit einer schlechten Nachhaltigkeitsbewertung aus. Das mag nicht besonders innovativ klingen. Allein auf Ausschlusskriterien zu setzen, bekam zuletzt geradezu eine negative Konnotation. Ich finde aber nichts Schlechtes daran, die Unternehmen aus dem Portfolio zu verbannen, mit denen man nichts zu tun haben möchte. Zudem zeigen die Daten ganz klar: Wer die nach ESG-Kriterien schlechtesten Unternehmen ausschließt, erzielt eine bessere Performance. Wohingegen die Firmen mit den höchsten ESG-Bewertungen längst nicht immer auch eine bessere Wertentwicklung aufweisen. Nachhaltigkeit allein ist kein Allheilmittel für Erfolg.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)