Das Spiel geht in eine neue Runde: Deutsche Banken und Fondsplattformen versenden 2021 zum dritten Mal die sogenannten Ex-post-Kostenausweise an ihre Anlagekunden. Diese Informationen müssen Wertpapierdienstleister ihnen einmal pro Jahr zur Verfügung stellen. So schreibt es die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II vor, die im Januar 2018 in Kraft getreten ist.

In den ersten beiden Runden lief die Bereitstellung der Kostenberichte vor allem aus zwei Gründen nicht glatt: Zum einen nennt ihnen die Finanzaufsicht Bafin den Instituten für den Versand der Ex-post-Kostenausweise keine exakte Frist: "Anknüpfungspunkt ist der jeweilige Beginn der laufenden Geschäftsbeziehung", teilt die Behörde mit. Von da an sollen Kunden einmal in zwölf Monaten eine Ex-post-Kosteninformation erhalten. Damit auch Kunden, die im ersten Quartal des Vorjahres eine Geschäftsbeziehung aufgenommen haben, ihren Kostenbericht pünktlich erhalten, wäre es notwendig, die Dokumente in den ersten drei Monaten des Folgejahres bereitzustellen.

Sämtliche Fondskosten aufführen
Doch hier tritt das zweite Problem zutage: Im Ex-post-Kostenausweis müssen Banken sämtliche Produktkosten aufführen, die im Zusammenhang mit einer Geldanlage angefallen sind. Die tatsächlichen Kosten von Fonds für die vorangegangenen zwölf Monate sind zu Jahresbeginn aber noch nicht verfügbar. Dafür müssen die testierten Jahresabschlüsse vorliegen. Daher erlaubt ihnen die Finanzaufsicht, die jüngsten testierten Zahlen zu verwenden. 

Damit haben die Institute die Wahl zwischen zwei Übeln: Entweder sie verschicken die Kostenberichte zügig mit zum Teil alten Daten. Oder sie versenden sie erst spät im Jahr mit korrekten Zahlen. Für Abhilfe könnte hier die Bafin sorgen, wenn sie den Produktanbietern eine klare Frist für die Bereitstellung der aktuellen Daten setzen würde. Doch das ist nicht passiert. 

Auch in Österreich keine Frist
Da nun die nächste Runde ansteht, wollte FONDS professionell in Erfahrung bringen, wie der Versand der Ex-post-Kosten­berichte in anderen Ländern der Europäischen Union läuft. "In Österreich gibt es auch keine Frist für den Versand der Ex-post-Kostenausweise", sagt Günther Ritzinger, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsunternehmens Kapitalmarkt Consult KCU aus Wien. Die österreichische Finanzaufsicht FMA habe lediglich festgelegt, dass die Kostenberichte binnen einer "angemessenen Frist" verschickt werden müssen. 

"Idealerweise erfolgt nach Ansicht der Behörde die Versendung im Folgequartal, eines Kalenderjahres", berichtet Ritzinger. Dass dieser "behördliche Wunsch" von zahlreichen Finanzinstituten in der Praxis eingehalten werden kann, würde er allerdings nicht unterschreiben wollen. Denn auch in der Alpenrepublik gibt es keinen Stichtag, bis zu dem Fondsanbieter die Produktkosten für die vorangegangenen zwölf Monate bereitzustellen haben. So müssen auch österreichische Banken entweder warten oder Berichte mit, wie es hier heißt, "geschätzten Produktkosten" versenden. 

Fast überall ähnliche Schwierigkeiten
In Luxemburg sieht es ähnlich aus. Auch dort hat die Finanzaufsicht weder eine Frist für den Versand der Ex-post-Kostenausweise an die Kunden noch für die Bereitstellung der notwendigen Daten durch die Fondsgesellschaften gesetzt. Dasselbe ist aus Tschechien zu hören.  In weiteren EU-Staaten gibt es für den Versand der Ex-post-Kostenberichte ebenfalls keine Fristen und keine Stichtage für die Lieferung der Produktkosten. FONDS professionell fragte außer in Österreich, Luxemburg und Tschechien auch bei Aufsichtsbehörden und Banken in den Niederlanden, in Belgien, Frankreich, Italien, Spanien und Schweden an. Die Schwierigkeiten sind überall die gleichen – fast überall. 

In Frankreich könnte sich bald etwas ändern. Dort hat die nationale Finanzaufsicht vor einiger Zeit alle Banken dazu befragt, welche Frist für den Versand der Ex-post-Kostenausweise für die Institute denn am praktikabelsten wäre. "Daher gehen wir davon aus, dass es für die Bereitstellung dieser Information bald eine klare und vernünftige Frist geben wird", erklärt eine Sprecherin der französischen Großbank BNP Paribas. Auch andere Institute hoffen auf eine klare Linie in Sachen Ex-post-Kostenausweis. (am)


Den vollständigen Bericht darüber, wie der Versand der Ex-post-Kostausweise in anderen EU-Ländern funktioniert, finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 1/2021 von FONDS professionell ab Seite 304. Der Beitrag ist auch hier im E-Magazin zu lesen (Anmeldung erforderlich).