Die Nachricht, dass OpenAI am 9. Februar die erste App für Versicherungen auf Basis von künstlicher Intelligenz (KI) zugelassen hat, sorgte Anfang der Woche für Unruhe in der Branche und an den Märkten. Die App wurde vom US-amerikanischen Vermittler Insurify entwickelt und ermöglicht Nutzern den direkten Zugriff auf Versicherungsangebote über die von OpenAI entwickelte ChatGPT-Plattform. 

Sind Makler oder Vergleichsportale wie Check24 und Verivox also bald überflüssig? In Deutschland dürfte das Geschäftsmodell von Maklern nach Meinung von Experten wegen regulatorischer Vorgaben nicht direkt gefährdet sein. Die KI dürfte vielmehr Kosten- und Effizienzvorteile bringen, meinen beispielsweise die beiden Berenberg-Analysten Michael Huttner und Carl Lofthagen.

Branche ist stark reguliert
"Obwohl es noch früh ist, glauben wir nicht, dass ChatGPT ein Disintermediationsrisiko für den Versicherungsvertrieb (Makler und Aggregatoren) darstellt. Die Versicherungsbranche ist stark reguliert, und wir gehen nicht davon aus, dass OpenAI die regulatorische Belastung oder die potenziellen Haftungsrisiken bei Fehlverkäufen von Policen übernehmen möchte", schreiben Huttner und Lofthagen. Stattdessen werde OpenAI mit Aggregatoren und Maklern zusammenarbeiten, um Policen zu verkaufen und so deren Wachstum zu fördern, anstatt sie zu ersetzen.

Andere Experten argumentieren ähnlich. Sobald ChatGPT Empfehlungen ausspricht, kommt man in die Beratung, die in Deutschland nur registrierte Vermittler leisten dürfen. "ChatGPT ist kein Vermittler, daher haften Versicherer für eine Fehlberatung durch ChatGPT", sagte Stephen Voss, Mitgründer der Neodigital Versicherung, dem "Handelsblatt". Eine andere Hürde ist die Datenschutz-Grundverordnung. "Es dürfte wohl kaum datenschutzkonform sein, wenn Angaben wie Postleitzahl und Wohnungsgröße bei einem Anbieter mit Sitz außerhalb der EU landen", zitiert ihn die Wirtschaftszeitung. (jb)