Experten für Rentenberatung unterstützen ihre Mandanten in allen Fragen rund um die Altersvorsorge. Anke Voss, Inhaberin der Rentenberatung Voss aus Berlin und Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater, erklärt im Interview, wie sich Berater und Vermittler zum Rentenberater weiterbilden können, was die Rentenprofis dürfen – und was sie besser vermeiden sollten.


Frau Voss, wenn der Begriff Rentenberater fällt, denken viele Arbeitnehmer automatisch an die Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung. Diese sind allerdings keine Rentenberater, oder?

Anke Voss: Nein, die Berufsbezeichnung Rentenberater ist gesetzlich geschützt. Hin und wieder werden auch die Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung Rentenberater genannt, doch das ist falsch. Das ist so, als wenn man einen Finanzbeamten als Steuerberater bezeichnen würde. Nicht nur, dass Rentenberater keine Angestellten oder Beamten des Staates sind, sondern selbstständig arbeiten oder bei einem Unternehmen beschäftigt sind. Auch die Aufgaben, die diese Experten übernehmen, sind anders gelagert.
 
Wie sehen die Aufgaben von Rentenberatern aus?

Voss: Anders als die Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung helfen Rentenberater nicht nur bei der Kontenklärung für die gesetzliche Altersvorsorge. Sie gehen viel tiefer ins Detail. Sie schauen sich zum Beispiel den beruflichen Werdegang eines Mandanten an, analysieren seine aktuelle Situation, prüfen, ob alle nötigen Dokumente vorliegen, damit es bei der gesetzlichen Rente später nicht zu Abstrichen kommt. Darüber hinaus wissen die Experten genau, welche Arbeitszeiten sich ein Mandant zusätzlich anrechnen lassen kann, um seine Rente zu erhöhen. Sie ermitteln auch eventuelle Rentenlücken und geben Auskunft darüber, ob zum Beispiel zusätzliche Beträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden können. Und das sind nur einige Bereiche, in denen Rentenberater tätig sind. Nicht zuletzt dürfen sie ihre Mandanten wie eine Art "Spezialanwalt" in allen Rentenfragen auch vor den Sozialgerichten vertreten – selbst gegen die Deutsche Rentenversicherung.
 
Um all diese Aufgaben zu übernehmen, ist eine spezielle Ausbildung nötig. Wie können sich etwa Versicherungsvermittler, Finanzberater oder Financial Planner zum Rentenberater weiterbilden?

Voss: Verschiedene Institute bieten Sachkundelehrgänge an, die die nötigen theoretischen Kenntnisse vermitteln. Um als Rentenberater arbeiten und die Berufsbezeichnung führen zu dürfen, ist zudem eine Registrierung im Rechtsdienstleistungsregister erforderlich. Voraussetzung dafür ist der Nachweis eines Sachkundelehrgangs, der mindestens 150 Zeitstunden umfassen muss. Über Arbeitszeugnisse ist außerdem eine praktische Sachkunde zu belegen. Diese Kenntnisse können unter anderem je nach Einzelfall in einer mindestens zweijährigen beruflichen Tätigkeit in den Bereichen Recht oder verwandten Dienstleistungen erworben worden sein. 
 
Ist die Registrierung einmal erfolgt, darf der frischgebackene Rentenberater aber keine Finanz- oder Versicherungsprodukte mehr vermitteln.

Voss: Das ist richtig. Rentenberater werden wie Anwälte nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz vergütet. Eine gleichzeitige Vermittlung von Versicherungs- oder Finanzprodukten ist ausgeschlossen. Dies wäre Ausnutzung eines Vertrauensverhältnisses. An einem Schreibtisch Rentenberatungen vorzunehmen und Produkte zu verkaufen ist ein "No-Go".
 
Zuweilen ist zu hören, es sei möglich, Rentenberatung einerseits und Versicherungs- oder Fondsvermittlung andererseits in zwei unterschiedlichen Unternehmen zu erbringen.

Voss: Ich empfehle dieses Modell auf keinen Fall. Versicherungsvermittler und Finanzberater mit einer Registrierung als Rentenberater können im Bundesverband auch nur Mitglied werden, wenn sie nicht mehr im Vermittlerregister des Deutschen Industrie- und Handelskammertages eingetragen sind. Selbstverständlich haben Rentenberater aber die Möglichkeit, zum Beispiel Versicherungsberater zu empfehlen.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)


Einen ausführlichen Bericht über das Geschäftsfeld der Rentenberatung sowie über entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten lesen Sie in der Heftausgabe 4/2019 von FONDS professionell, die Ende November erscheint.