Die Fondsgesellschaft Fidelity International wartete Anfang Oktober mit einer Überraschung auf: Das Haus führt für seine Aktiensortiment eine erfolgsabhängige Vergütung ein, die sogenannte "Fulcrum Fee". Deren Höhe richtet sich danach, ob es dem jeweiligen Manager gelingt, seinen Vergleichsindex zu übertreffen.

Das neue Gebührenmodell werde zusätzlich zum bereits bestehenden System eingeführt, teilte das Haus mit. Damit hätten die Fidelity-Kunden künftig die Wahl zwischen zwei Tarifen. Im Interview mit FONDS professionell ONLINE erläutert Fidelity-Deutschlandchef Alexander Leisten die Hintergründe der Entscheidung.


Herr Leisten, warum haben Sie beschlossen, ein neues Gebührenmodell einzuführen?

Alexander Leisten: Der Hintergrund ist die international geführte Diskussion um die Frage, ob Kunden fair behandelt werden. Als Asset Manager stehen wir heute stärker denn je unter Beobachtung. Immer häufiger werden wir gefragt, ob unsere Leistung das Geld auch wert ist. Daran haben die Regulierer offenbar Zweifel. Sie erlassen neue Vorschriften in der Hoffnung, die Transparenz und am Ende auch den Mehrwert für Kunden zu erhöhen. Darauf müssen aktive Fondsmanager reagieren.

Wieso sollte eine Neufassung der Entgelte für den Fondsanbieter Abhilfe schaffen?

Leisten: Wir kommen mit einem neuen Ansatz heraus, der genau die Interessen unserer Kunden widerspiegelt. Das neue Gebührenmodell passt ideal zu unserem auf fundamentalem Research basierenden, aktiven Managementansatz. Wir halten es daher für eine überzeugende Antwort auf Vorwürfe gegenüber aktiven Anbietern, wonach es bei der Gebührengestaltung an Transparenz und Innovation mangele. Die Unternehmen handeln angeblich nicht immer im besten Interesse ihrer Kunden. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Lösung einen nachweisbaren Mehrwert liefert. Sie führt zu einer noch stärkeren Orientierung an den Interessen der Anleger und belastet Portfolios in solchen Phasen geringer, in denen wir vorübergehend keine Outperformance erzielen. Dadurch motiviert sie die Anleger, im Fonds zu bleiben.

Warum haben Sie diese hierzulande kaum bekannte Vergütungsvariante gewählt?

Leisten: In den USA gibt es die sogenannte "Fulcrum Fee" schon seit den 1970er Jahren. Dabei steigen die Gebühren, wenn der Fonds den Vergleichsindex schlägt, beziehungsweise sinken in gleicher Höhe, wenn sich das Portfolio schlechter entwickelt. Diese Gebührenstruktur ist transparent und leicht nachvollziehbar. Als Asset Manager sollten wir ganz grundsätzlich die Art und Weise überdenken, wie unsere Dienstleistungen vergütet werden. Diesen Auftrag haben uns die Regulierer indirekt mit ihren immer neuen Vorschriften gegeben. Wir stehen also in der Verantwortung, ganzheitlich zu denken. Nur Teilbereiche wie die Kostenfrage für das Research abzuhaken, kann keine Lösung sein.

Wollen Sie das neue Modell auch in anderen Regionen einsetzen?

Leisten:Als globaler Asset Manager haben wir ein Gebührenmodell, das sowohl europäischen Anforderungen entspricht als auch internationalen Standards. Es ergibt aus unserer Sicht keinen Sinn, Mifid-II-Kunden anders zu behandeln als zum Beispiel asiatische Anleger. Jeder sollte die gleiche Transparenz und Zugang zum gleichen Modell erhalten. Als internationaler Asset Manager werden wir dieses variable Gebührenmodell auch global ausrollen.

Soll die Fulcrum-Fee flächendeckend für alle Anlageklassen eingeführt werden?

Leisten: Derzeit erläutern wir das Modell unseren Kunden. Ziel ist, dass wir die Kombination aus niedrigerem Basissatz und ergänzender variabler Gebühr bei allen unseren aktiven Aktienfonds anbieten. Denkbar ist, dass wir mit weiteren Anlageklassen folgen. Wie man sich vorstellen kann, bedeutet das eine erhebliche Veränderung bei unserem Gebührenmodell. Die Umsetzung braucht Zeit. Wir gehen davon aus, dass einige Kunden davon bereits ab Januar 2018 profitieren können.


Welche anderen Asset Manager ihre Kostensätze überarbeiten und was Experten von den neuen Entgelt-Modellen halten, lesen Sie im neuen Heft 4/2017 von FONDS professionell, das in den kommenden Tagen erscheint.


Glauben Sie, dass sich solche Gebührenmodelle in der Branche weiter verbreiten werden?

Leisten: Als internationaler Asset Manager möchten wir die Diskussion um faire und transparente Gebührenmodelle eröffnen und vor allem tragfähige Lösungen liefern. Die Fulcrum Fee hat das Potenzial dafür – und zwar für die gesamte Branche. Interessant ist, dass auch andere Häuser in diese Richtung gehen. Klar ist auch: Die Fulcrum Fee ist derzeit noch ein zartes Pflänzchen. Sie ist in Europa sowie weiten Teilen Asiens praktisch unbekannt. Aber wir sind absolut davon überzeugt, dass die Branche dadurch zu einem Umdenken angeregt wird. Letztlich wird der Kunde entscheiden, welches Gebührenmodell er bevorzugt.

Bislang schien die Branche aber ihre Kunden nur selten vor die Wahl stellen zu wollen, etwa bei Performance-Gebühren.

Leisten: Es ist die Verantwortung der Branche, den Kunden alle Bestandteile der Gebühren transparent zu machen und zu erläutern. Kostenbestandteile aus dem Fonds herauszunehmen und durch mögliche Gebührenerhöhungen oder sonstige Umwege dem Kunden wieder zu belasten, sind unverantwortlich. Transparenz ist das Gebot der Stunde. Nur so erhält der Kunde die Möglichkeit, die Kosten objektiv zu vergleichen. Bei der Entwicklung des neuen Gebührenmodells haben wir darüber von der langjährigen Erfahrung profitiert, den Fidelity Investments mit variablen Managementgebühren in den USA hat. Dort haben wir beobachtet, dass sich andere Anbieter von diesem Modell haben anregen lassen und begonnen haben, variable Gebühren bei einigen ihrer aktiv gemanagten Fonds einzuführen.

Wie wirkt sich die Fulcrum-Fee auf die Erträge Ihres Hauses aus?

Leisten: Als einer der wenigen Asset Manager sind wir in Privatbesitz. Damit einher geht die langfristige Ausrichtung unseres Geschäftsmodells. Wir sind dem Wohl unserer Kunden nachhaltig verpflichtet. Als aktiver Fondsmanager sind wir überzeugt, dass wir Alpha und damit Qualitätsprodukte liefern. Langfristig wird sich daher unsere Ertragsseite nicht dauerhaft verändern. Ein zweiter Punkt ist das Schwinden des Fondsvolumens. Wenn Sie die Kundenbedürfnisse nicht ernst nehmen, werden sie Kunden und letztlich Fondsvolumen verlieren. Die Kunden wollen Transparenz und Vergleichbarkeit. Es ist wichtig, als aktiver Asset Manager einen wirklichen Mehrwert im Sinne einer höheren Performance zu liefern.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)