Die europäische Finanzaufsicht ESMA hat die Liquiditätslage von Investmentfonds inmitten des Börsencrashs wegen der Ausbreitung der Covid-19-Pandemie untersucht und nun einen Zwischenbericht vorgelegt. Die Aufseher heben zwar hervor, dass der überwiegende Teil der Fonds Anteilsrückgaben der Anleger auszahlen und grundsätzlich ihre Portfoliostruktur aufrechterhalten konnte. Nur wenige Portfoliomanager mussten die Tore schließen.

Die Behörde zählte von Mitte März bis Mai 2020 rund 140 UCITS- und alternative Investmentfonds, deren Vermögenswerte zeitweilig eingefroren waren. Der Großteil der im Frühjahr eingefrorenen Fonds habe Probleme bei der Bewertung der gehaltenen Vermögenswerte gehabt, nur wenige konnten die Mittelabzüge der Anleger nicht bedienen. Die Behörde konzentrierte sich bei ihrer Untersuchung auf die Felder Unternehmensanleihen und Immobilien. Begründung: In diesen Anlageklassen sei am ehesten mit einem Austrocknen der Liquidität zu rechnen.

Kurzer Crash
Die Ratinggesellschaft Fitch hatte in einer ähnlichen Auswertung per Ende September 120 gesperrte Publikumsfonds mit einem Volumen von 64 Milliarden US-Dollar gezählt, wie FONDS professionell ONLINE exklusiv berichtete. Auch die Fitch-Analysten beobachteten, dass die geschlossenen Vehikel vor allem Probleme mit der Preisfindung von Wertpapieren hatten und nicht, wie meist in der Vergangenheit, massive Mittelabflüsse der Investoren zur Schließung führten.

Trotz des grundsätzlich positiven Resümees warnt die ESMA, dass der Corona-Crash zwar heftig, aber nur kurz war. Notenbanken und Regierungen milderten mit milliardenschweren Paketen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie ab. Daher seien die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen – gerade mit Blick auf mögliche künftige, länger anhaltende Marktverwerfungen.

Werkzeugkasten erweitern
Die europäische Aufsicht stellt daher eine Liste mit Maßnahmen auf, welche die Handelbarkeit von Fonds im Krisenfall stützen sollen. So sollen die nationalen Finanzaufsichten wie die deutsche Bafin oder die österreichische FMA darauf achten, dass es zu keinen größeren Diskrepanzen zwischen der Investmentstrategie eines Fonds, der Liquidität seiner Anlage und möglichen Rückgabewünschen der Anleger kommt. Dies sollten die nationalen Behörden genau kontrollieren.

Weiterhin empfiehlt die ESMA eine einheitlichere Überwachung der Standards. So stehen den Portfoliomanagern je nach Domizil ihres Fonds sehr unterschiedliche Instrumente zur Verfügung, mit denen sie die Liquidität ihres Portfolios steuern können. Die Behörde fordert daher, solche Werkzeuge in ganz Europa flächendeckend einzuführen und deren Nutzung zu fördern. So können etwa über das sogenannte Swing Pricing das Mittelaufkommen gelenkt werden. Ein weiteres Beispiel sind Ankündigungsfristen, die Anleger einhalten müssen, wenn sie Fondsanteile zurückgeben möchten. (ert)