Angebote zur nachhaltigen Geldanlage gewinnen seit einiger Zeit stark an Bedeutung. Asset Manager legen immer weitere ESG-Fonds auf oder widmen etablierte Portfolios um. Auch Finanzberater spezialisieren sich auf nachhaltige Investments. Kerstin Berndt, Geschäftsführerin der Finanz- und Versicherungsberatung ABzurVorsorge aus Pirna in Sachsen, erklärt, warum sie zu verantwortungsvoller Geldanlage berät, was der Begriff Nachhaltigkeit für sie bedeutet, und wo sie Nachholbedarf sieht.


Frau Berndt, Nachhaltigkeit ist in der Geldanlage in jüngster Zeit stark im Kommen. Seit wann beraten Sie über nachhaltige Investments?

Kerstin Berndt: Meine Mutter ist bereits seit 1992 als freie Finanzberaterin und Versicherungsvermittlerin tätig. Als ich mich 2017 dafür entschieden habe, in ihr Unternehmen einzusteigen und wir gemeinsam in ABzurVorsorge GmbH & Co. KG umfirmierten, stand für mich fest, dass ich ausschließlich über nachhaltige Anlageprodukte beraten würde. Das mache ich seitdem auch.

Was hat Sie denn zu dieser Entscheidung bewogen?

Berndt: Ich hatte mich viel mit der Ausbeutung unseres Planeten, dem Klimawandel und sozialer Ungerechtigkeit beschäftigt und fand, das geht so nicht mehr. Geld regiert nun einmal die Welt, und ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, Finanzströme in die richtige Richtung zu leiten. Es hat sich schon längst gezeigt, dass die Renditen, die sich mit nachhaltigen Investmentprodukten erzielen lassen, nicht per se unter denen von konservativen Geldanlagen liegen. Daher gibt es für mich gar keinen Grund, meine Kunden nicht zu nachhaltigen Fonds zu beraten.

Kommt das Thema Nachhaltigkeit bei Ihrer Klientel auch gut an?

Berndt: Natürlich gibt es immer mal den einen oder anderen Kunden, für den Nachhaltigkeit keine Rolle spielt. Da heißt es dann: "Hauptsache, das Investment bringt Geld." Aber im Großen und Ganzen stößt das Thema wirklich auf Interesse. Die meisten Kunden sind begeistert, wenn ich sie auf nachhaltige Geldanlage anspreche. Manche Anleger kommen auch ganz gezielt mit dem Wunsch zu mir, in entsprechende Produkte zu investieren. Seit ich mit der nachhaltigen Geldanlage begonnen habe, ist auch bei den Kunden meiner Mutter, die neben nachhaltigen auch noch konventionelle Fonds anbietet, das Interesse an Nachhaltigkeit deutlich gestiegen.


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Nun gibt es keinen klaren, allgemeingültigen Nachhaltigkeitsbegriff. Was genau verstehen Sie unter nachhaltiger Geldanlage und wie definieren Sie den Begriff gegenüber Ihren Kunden
 
Berndt: Nachhaltiges Handeln bedeutet für mich verantwortliches Handeln mit Blick auf die Umwelt, auf soziale und ethische Aspekte. Nachhaltige Geldanlage heißt nach meinem Verständnis, dass Investmentprodukte und -strategien um diese Aspekte erweitert werden. Es ist bekannt, dass in der jüngsten Vergangenheit immer mehr Kapitalverwaltungsgesellschaften ihre Fonds als nachhaltig bezeichnen, dabei oft aber nur Greenwashing betreiben. Das ist für mich keine Nachhaltigkeit. Ich möchte nicht, dass die Rendite, die meine Kunden mit ihren Anlageprodukten erzielen, am Ende zum Teil doch aus ausbeuterischer Kinderarbeit kommt, um nur ein Beispiel zu nennen. Aus meiner Sicht ist es für die Entwicklung nachhaltiger Fondsprodukte wichtig, durch Engagement, also den direkten Austausch zwischen Fondsgesellschaft und im Fonds enthaltenen oder noch dahin zu entwickelnden Unternehmen, mehr bewusstes und nachhaltiges Handeln anzuregen und zu fördern.

Sie schauen bei der Auswahl der Fonds, die Sie vermitteln, also sehr genau hin. Welche Siegel und Ratings nutzen Sie dabei?

Berndt: Ich nutze vor allem das Portal des Forums für Nachhaltige Geldanlage, kurz FNG, und auch das FNG-Siegel. Zudem bin ich Mitglied bei Ökofinanz-21, einem bundesweiten Netzwerk für nachhaltige Finanzberaterinnen und –berater. Über das Netzwerk habe ich Zugang zum Research der nachhaltigen Vermögensverwaltung Murphy & Spitz. Dann nutze ich auch die Ratings von Scope und Morningstar. Trotz aller Siegel und Ratings finde ich es aber gar nicht so einfach, aus dem großen Angebot an tatsächlich und vermeintlich nachhaltigen Investmentprodukten die herauszupicken, die meinen Ansprüchen wirklich genügen. Solange es die Taxonomie nicht gibt, die als Kernstück des EU-Aktionsplans für ein nachhaltiges Finanzwesen ein einheitliches Klassifizierungssystem für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten etablieren soll, bleibt es schwierig. Davon abgesehen, würde ich gern auch verstärkt nachhaltige Versicherungen vermitteln. Bei den Sachversicherungen gibt es inzwischen zwar einige Anbieter und Konsortien, die wir auch gern vermitteln, aber grundsätzlich kommen die Versicherer nur schwer in Gang, und es herrscht wenig Transparenz.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)