Firmenpleiten auf höchstem Stand seit 20 Jahren
Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland ist laut IWH im vergangenen Jahr stark gestiegen. Das sei nicht mehr mit Nachholeffekten zu erklären, sondern spiegele immer stärker die wirtschaftlichen Herausforderungen im Land wider. Für die kommenden Monate erwartet das Institut ebenfalls hohe Zahlen.
Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland so viele Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften wie seit 2005 nicht mehr, meldet das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle in seinem "IWH-Insolvenztrend". Mit 17.604 lag die Zahl der Insolvenzen sogar rund fünf Prozent über derjenigen im Zuge der großen Finanzkrise 2009. Insgesamt waren 2025 in Deutschland etwa 170.000 Arbeitsplätze betroffen.
"Nicht mehr mit Nachholeffekten erklärbar"
Die hohen Zahlen spiegeln laut Steffen Müller, Leiter der Insolvenzforschung beim IWH, immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland wider und seien nicht mehr mit Nachholeffekten aus der Pandemie oder der jahrelangen Niedrigzinspolitik zu erklären.
Die Zahl von 1.519 Firmenpleiten im vergangenen Dezember sei 17 Prozent höher als im Vormonat, 14 Prozent höher als im Dezember 2024 und 75 Prozent höher als in einem durchschnittlichen Dezember der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie, so der "IWH-Insolvenztrend".
Laut IWH waren im Dezember in den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen mehr als 15.000 Arbeitsplätze betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten mehr als zwei Drittel über dem Vormonatswert, leicht unter dem Niveau von Dezember 2024 und 70 Prozent über dem Durchschnitt eines typischen Dezembers der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019.
Frühindikatoren deuten auf hohe Zahlen auch im ersten Quartal hin
Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen Beschäftigten, erklärt das Institut. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs liefere zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen Arbeitsplätze.
Für das erste Quartal 2026 erwartet Müller ebenfalls sehr hohe Insolvenzzahlen. Diese Einschätzung beruhe auf vom IWH erhobenen Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen und die in den vergangenen Monaten kontinuierlich angestiegen seien. (dv)















