Trotz der anhaltenden Niedrigzinsen scheuen insbesondere deutsche Anleger noch immer vor Aktien zurück. Ein Grund dafür ist offenbar das Misstrauen in die professionelle Finanzberatung, schreibt Thomas Mayer, Leiter des Flossbach von Storch Research Institute, in seiner Kolumne in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Die Denkfabrik hat 1.700 Finanzberater dazu befragt, warum deutsche Anleger ihrer Ansicht nach einen Riesenbogen um die Börse machen. Ergebnis: 94 Prozent meinen, dass Anlegern wohl das grundsätzliche Vertrauen in die Finanzberatung fehlt. 

Wenn man aber nicht abschätzen kann, ob die Finanzberatung einem selbst oder eher dem Berater nutzt, hält man sich lieber gleich ganz von der Aktienanlage fern, mutmaßt Mayer: "Die schleichende Enteignung durch Niedrigzins und Inflation mag dann noch erträglicher erscheinen als falscher Rat durch einen eigennützigen Finanzberater."

Wie aber können Berater Verbraucher von der Sinnhaftigkeit von Aktien überzeugen? Die Flossbach-Umfrage liefert auch dazu ein deutliches Stimmungsbild: 96 Prozent der Befragten gaben an, dass fachliche Mindeststandards zentral seien, ebenso wie eine ethische Verpflichtung zur Beratung im Interesse der Kunden. Nur ein Prozent glaubt, dass staatliche Regulierung das Vertrauen der Anleger in die Finanzberatung erhöhen würde.

Berater-Verbände müssen bekannter werden
Mayers Einschätzung nach können auch Berufsverbände dabei helfen, das Misstrauen der Investoren zu überwinden. So müssen sich etwa die Mitglieder des globalen Verbands der Chartered Financial Analysts (CFA) nach dreijähriger fachlicher Ausbildung kontinuierlich weiterbilden. Darüber hinaus verpflichten sie sich per Ehrenkodex zur Arbeit im Interesse der Kunden. "Würden mehr Sparer von den Prinzipien dieser und anderer Berufsverbände wissen, wären sie wohl weniger misstrauisch und ließen sich bei der Geldanlage helfen", urteilt Mayer. Sein Fazit: "Statt staatlicher Regulierung braucht es eine bessere Aufklärung der Anleger." (fp)