Ob Eigenheim, Erspartes, Depot oder Altersvorsorge – für private Haushalte zählt, wie sich ihr Vermögen entwickelt. Dabei gilt: Wer schon Vermögen besitzt, freut sich über steigende Vermögenspreise, wer dagegen Vermögen aufbauen will, muss dafür dann tiefer in die Tasche greifen. Die Vermögenspreisinflation misst das Flossbach von Storch Research Institute seit Jahren mit einem eigens entwickelten Vermögenspreisindex für Deutschland. Und dieser steigt deutlich rascher als der Verbraucherpreisindex – mit Folgen für Vermögensaufbau und Gesellschaft.

Vermögenspreise eilen Verbraucherpreisen davon
Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex wird anhand der gewichteten Preisentwicklung des Sach- und Finanzvermögens berechnet, das sich im Eigentum privater deutscher Haushalte befindet. Zum Ende des Jahres 2025 lag die Vermögenspreisinflation in Deutschland bei 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresende. Der Anstieg resultierte sowohl aus höheren Preisen für Sachwerte wie Immobilien und Betriebsvermögen als auch für Finanzwerte wie Aktien. Im selben Zeitraum erhöhten sich die Verbraucherpreise (VPI) lediglich um 2,2 Prozent.

"Durch den Preisanstieg der Vermögensgüter haben sich Vermögensaufbau und Altersvorsorge deutlich verteuert", schreibt Senior-Research-Analyst Philipp Immenkötter: Private Haushalte müssten rund 4,5 Prozent mehr aufwenden, um in die gleichen Finanz- und Sachwerte zu investieren wie vor einem Jahr. Bei den Haushalten im Alter von 45 bis 54 Jahren war diese Teuerung am höchsten, da diese Altersgruppe den größten Anteil an Betriebsvermögen hält. Unter Rentnern und Pensionären ab 64 Jahren fällt hingegen die Preissteigerung ihres Vermögens am geringsten aus, da sie über wenig Aktien- und Betriebsvermögen verfügen. 

Gesellschaftliche Sprengkraft
"Die Vermögenspreisinflation verstärkt die Kluft zwischen wohlhabenden Haushalten und solchen mit geringem Vermögen in Deutschland", so Immenkötter. Für Haushalte mit geringeren Vermögen werde es zunehmend schwieriger, aufzuschließen. Ende des Jahres 2025 mussten Haushalte laut Flossbach von Storch Research Institute 70 Prozent mehr für Vermögensgüter zahlen als noch zu Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005. Die reale Lohnentwicklung betrug in dem Zeitraum lediglich 15 Prozent.

Immenkötter warnt: "Diese Verteilungseffekte schaffen einen Nährboden für gesellschaftliche Spannungen, da sich zunehmend auch die Mittelschicht abgehängt fühlt." Das zeige sich besonders deutlich am Immobilienmarkt, wo der erneute Preisanstieg den Traum vom Wohneigentum für viele Haushalte in weite Ferne rücken lasse. (jh)