Norbert Porazik und Markus Kiener, die beiden geschäftsführenden Gesellschafter des Maklerpools Fonds Finanz, möchten die Hamburger IT-Schmiede Softfair an Versicherer verkaufen. Der Plan sieht vor, zunächst die Softfair-Muttergesellschaft Finanzsoft in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Danach sollen "bis zu 100 Prozent" der Anteile "kleinteilig an möglichst viele Versicherungsgesellschaften" veräußert werden, wie Porazik mitteilt.

Porazik und Kiener hatten Softfair vor zwei Jahren übernommen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Softfair-Gründer Hartmut Hanst hatte damals "Altersgründe" und einen fehlenden Nachfolger aus der Familie" als Grund angegeben, sich von seinem Unternehmen zu trennen. Das Hamburger IT-Haus stellt unter anderem Maklerverwaltungsprogramme und Vergleichsrechner für Versicherungstarife her.

Im Wettbewerb der Maklerpools ist die IT-Unterstützung für die angebundenen Vermittler ein entscheidender Faktor, doch Softwareentwickler sind rar und teuer. Daher galt die Softfair-Übernahme, mit der sich die beiden Fonds-Finanz-Chefs entsprechende Kapazitäten für ihren Pool sicherten, damals als cleverer Schachzug.

"Branchenweite Initiative"
Porazik selbst stellte die Softfair-Akquisition jedoch von Anfang an in einen größeren Zusammenhang – und zwar als Bollwerk gegen den Angriff durch die großen Online-Vergleichsportale und Fintechs, die die Branche unter erheblichen Druck setzen. "Die Vision von Markus Kiener und mir war und ist es, den Ausbau der Digitalisierung des gesamten Versicherungsvertriebs entschieden voranzutreiben", teilt Porazik nun mit. "Die Etablierung branchenweiter Standards und darauf aufbauend die Weiterentwicklung der Prozessautomatisierung sollen die Zukunftsfähigkeit aller Marktteilnehmer nachhaltig sichern."

Mit der Softfair-Übernahme 2017 "konnten wir sicherstellen, auch weiterhin Zugriff auf die marktführenden Vergleichsprozesse zu haben, indem das Unternehmen nicht in die Hände einer einzelnen Gesellschaft fällt oder uns die Ressourcen von Softfair zukünftig nicht mehr zur Verfügung stehen", so Porazik. Vor dem Hintergrund ihrer Vision möchten die beiden Fonds-Finanz-Chefs nun eine "branchenweite Initiative" ins Leben rufen. Die Idee: Möglichst viele Versicherer sollen sich an der Softfair-Muttergesellschaft beteiligen – und sich damit "langfristig und nachhaltig die Gestaltungshoheit über branchenweit gültige, standardisierte Prozesse sichern und ihre Risiken und Kosten erheblich senken".

Derzeit würden erste Gespräche mit Versicherern stattfinden. "Alle bislang angesprochenen Gesellschaften stehen unserer Initiative äußerst positiv gegenüber", sagt Porazik. Softfair dürfte mit 40 bis 50 Millionen Euro bewertet werden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Mit Blick auf die jüngsten veröffentlichten Geschäftszahlen wirkt diese Größenordnung jedoch ambitioniert: Die Bilanzsumme belief sich Ende 2017 auf 3,5 Millionen Euro, unter dem Strich stand in besagtem Geschäftsjahr ein Jahresfehlbetrag von 1,2 Millionen Euro.

Unabhängigkeit betont – dennoch sprangen Kunden ab
Porazik betonte in der Vergangenheit stets, dass es sich bei der Fonds Finanz und Softfair um zwei eigenständige und unabhängige Unternehmen handelt. Darum hatte auch nicht der Maklerpool den Softwareanbieter übernommen, sondern Porazik und Kiener über eine andere Gesellschaft. Diese Unabhängigkeit ist wichtig, da Softfair unter anderem auch Maklerverwaltungsprogramme für direkte Wettbewerber der Fonds Finanz herstellt. Diese Kunden wollten Porazik und Kiener nicht verschrecken.

Einige kündigten ihre Verträge dennoch, darunter laut SZ-Informationen der Großvertrieb Swiss Life Select. Auch der Hamburger Maklerpool Netfonds hat sich von Softfair getrennt, wie FONDS professionell ONLINE erfahren hat. Selbst wenn womöglich jeweils andere Gründe den Ausschlag gaben, war die Nähe zur Fonds Finanz sicherlich kein Ansporn, die Zusammenarbeit mit Softfair zu vertiefen.

Eine Anfrage der Redaktion, ob auch dieser Punkt eine Rolle für die Entscheidung gespielt hat, neue Anteilseigner an Bord zu holen, blieb am Montagvormittag zunächst unbeantwortet. In der Pressemitteilung teilt Porazik lediglich mit: "Uns ist es in den vergangenen zwei Jahren mit der Finanzsoft gelungen, Softfair weiterhin erfolgreich und gesund wachsen zu lassen."

Zwei weitere Software-Häuser gehören der Fonds Finanz
Die Softfair-Akquisition 2017 blieb übrigens nicht die einzige Übernahme in diesem Bereich: Im August 2017 verleibte sich die Fonds Finanz das Softwarehaus Vorfina ein, und seit Mitte März 2018 ist auch Edisoft ein Teil des Münchner Maklerpools. Tim Bröning, Mitglied der Geschäftsleitung der Fonds Finanz, erläuterte im Interview mit FONDS professionell ONLINE vor einem Jahr den Hintergrund dieser Übernahmen: Der Pool baue eine "allumfassende Maklerplattform" für alle Sparten auf und wolle sich die dafür nötigen IT-Bausteine sichern. (bm)