In der Welt der Geldanlage gibt es nur wenige Gewissheiten. Dass Durchschnittsdeutsche sparbuchtreu und zugleich aktienscheu sind, zählt dazu. Oder besser gesagt: zählte. Denn seit dem Frühjahr 2020 hat sich etwas grundlegend geändert, und "Schuld" hat ausgerechnet das Coronavirus respektive der mit ihm verbundene erste große Lockdown. Der schickte zwar die globalen Aktienmärkte per Blitzcrash in den Keller. Simultan aber scheint die behördlich verordnete Entschleunigung eine neue Börsenbegeisterung bei vielen Bundesbürgern ausgelöst zu haben.

"Mitmach-Modell" wird mehrheitsfähig
Seither klettert die Zahl an neu eröffneten Wertpapierdepots und frisch abgeschlossenen Sparplanverträgen steil nach oben. So meldet beispielsweise der Wertpapierdienstleister DWP, dem bundesweit immerhin 1.200 Banken, Volksbanken und Sparkassen angeschlossen sind, für 2020 einen Anstieg seiner Sparplanbestände von satten 63 Prozent auf 703.000 Stück. Das kräftige Plus schlug sich auch in den zugehörigen Sparplantransaktionen von 6,5 Millionen wieder, ein Zuwachs von 85 Prozent.

Solche Zahlen lassen nur einen logischen Schluss zu: Nämlich, dass viele Festgeld-Fans den wochenlangen Stillstand dazu genutzt haben, neben anderen aufgeschobenen Projekten auch die eigene Vermögensplanung endlich auf zeitgemäße Säulen zu stellen. "Der Trend zu Sparplänen ist in der Breite angekommen", stellte Deka-Vertriebsvorstand Torsten Knapmeyer unlängst im Interview mit FONDS professionell fest. Die immer höher schwappende Welle an als Verwahrentgelten getarnten "Strafzinsen" tat und tut ihr Übriges.

Begrüßenswert ist der Sinneswandel allemal, denn nüchtern betrachtet haben Anleger, gerade als Fondssparer, viele Argumente auf ihrer Seite. Anders als Inhaber einer Kapitallebensversicherung bleiben sie beispielsweise finanziell beweglich und sind stets Herr (oder Frau) ihrer Geldanlage.


FONDS professionell ONLINE hat die gebräuchlichsten Fondssparplan-Kategorien durchleuchtet. In unserem siebenteiligen Sparplan-Check zeigen wir Ihnen in den kommenden Tagen, mit welchen Portfolios geduldige Anleger in den vergangenen zehn Jahren am besten fuhren.


Ohne großen Aufwand lassen sich die wiederkehrenden Sparraten aufgrund vorübergehender finanzieller Engpässe reduzieren oder auch mal ganz aussetzen, später wieder aufstocken oder von Beginn an dynamisieren, um so einen eingebauten Inflationsausgleich zu erreichen. Schon ab 25 Euro monatlich geht es los, und dank des Zinseszins- und des Durchschnittskosteneffekts, der kleine Kursdellen oder sogar angsteinflößende Kollapse wie jenen vom März 2020 in der langen Frist ausgleicht, können selbst aus überschaubaren Monatsraten längerfristig kleine Vermögen oder zumindest solide "Notgroschen" entstehen. Und wer ganz klein anfängt, hat sogar die Chance, eines Tages "Sparplan-Millionär" zu werden.

Die erzielbare Rendite jedenfalls gibt den Fondssparern recht: Wie lukrativ das ratierliche Investieren in Portfolios ist, zeigt zum wiederholten Mal die aktualisierte Wertentwicklungsstatistik des deutschen Fondsverbands BVI (Stand: Ende Juni 2021) auf eindrucksvolle Weise. Während Sparerlieblinge wie Fest- oder Tagesgeld mit Sicherheit nur eins bringen, nämlich Kapitalverzehr, winken bei Fondssparplänen mit ziemlicher Gewissheit Jahresrenditen von drei Prozent und mehr – ein wenig Geduld vorausgesetzt.

Zugleich belegt die BVI-Auswertung, wie erfolgsentscheidend die besparte Fondskategorie – beispielsweise Immobilien-, Mischfonds oder globale Anleiheportfolios – am Ende für den Investmentlohn ist. Hier sollten einfühlsame Berater mentale Hemmschwellen bei ihrem Gegenüber lösen, denn ein "Entweder-oder" gibt es, gerade zu Beginn der Karriere als Plansparer, nicht: Wer sich partout nicht für eine bestimmte Gruppe entscheiden kann, dem steht die Möglichkeit offen, regelmäßig mehrere Portfolios aus verschiedenen Kategorien in seinen Sparplan aufzunehmen.

Großes Performancegefälle
Ein Blick auf die BVI-Statistik, die wir oben grafisch aufbereitet haben, belegt eindrucksvoll, was Finanzprofis ohnehin wissen: Wer Aktien – vielleicht aufgrund von Vorurteilen oder übertriebenen Risikoerwägungen – kategorisch ausschließt, tut sich und seinem Depot keinen Gefallen. Denn die lohnenswertesten Sparplankategorien stammen alle aus dem Aktiensegment. 

Wer sich für die in den letzten zehn Jahren lukrativste Gruppe "Aktienfonds Europa Nebenwerte" entschied, konnte – alle währenddessen aufgelaufenen Fondskosten und Ausgabeaufschläge eingerechnet – im Schnitt stolze 11,2 Prozent per annum dazu verdienen. In Euro ausgedrückt heißt das: Wer seit dem Sommer 2011 Monat für Monat mit je 100 Euro – also in Summe 12.000 Euro – einen durchschnittlich guten Aktienfonds besparte, der auf mittelständische und kleine Unternehmen aus Europa setzt, hätte Ende Juni 2021 auf seinem Depotauszug rund 21.470 Euro stehen, wie obige Tabelle zeigt.

Die Statistik verrät noch mehr
Die jüngste Wertentwicklungsstatistik des BVI verrät noch mehr: Nämlich nicht nur, welche Fondskategorien für Plansparer am rentierlichsten waren, sondern auch, mit welchen Einzelfonds geduldige Monatseinzahler in den vergangenen zehn Jahren überdurchschnittlich gut fuhren. Der Top-Fonds aus der Kategorie "Aktienfonds Europa Nebenwerte" machte aus 12.000 angesparten Euro in den vergangenen zehn Jahren satte 24.208 Euro.

Das andere Extrem spricht ebenfalls Bände. Wer als Plansparer zur Jahresmitte 2011 einem mittelmäßigen offenen Immobilienfonds den Vorzug gab, kam laut der neuesten BVI-Auswertung zum Stichtag 30. Juni 2021 auf ein Gesamtergebnis von mageren 12.955 Euro. Wer das doppelte Pech hatte und obendrein auf den schlechtesten Vertreter aus dieser Kategorie setzte, machte aus den 12.000 angesparten Euro binnen zehn Jahren läppische 12.343 Euro. Doch so schlimm muss es nicht kommen.

Anhand der BVI-Übersichten stellen wir Ihnen in einer siebenteiligen Serie in den nächsten Tagen die lukrativsten Sparplanfonds aus den gängigsten – sprich vertriebsrelevanten – Portfoliokategorien vor. (ps)